FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 30.04.2014:

Ausschuss übt massive Kritik an Verwaltung - Behörde räumt Fehler ein

Lingener Tagespost - Lokales

Lingen. Das war schon heftig: So viel Kritik hat sich selten die Verwaltung der Stadt Lingen mit Hans-Josef Lis und Karin Schreiner von der Unteren Naturschutzbehörde anhören müssen wie in der letzten Sitzung des Umweltausschusses. Ihnen wurde nicht nur vorgeworfen, ihre Arbeit vernachlässigt zu haben, sondern auch entgegengehalten, die Politik in ihrer Entscheidungsfindung nur ungenügend oder gar nicht eingebunden zu haben.
Das Thema, an dem sich im Moment die Geister scheiden, ist das geplante künstliche Anlegen eines Sandtrockenrasens in Darme am Kohschultenhof (wir berichteten). Diese Maßnahme ist eine von 30 Projekten deutschlandweit, die als Hotspotprojekt: „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“, ausgewählt wurde.

Vor Ort am Kohschultenhof erläuterte Schreiner, dass durch das Fällen eines jungen Birkengehölzes ein ehemaliger Sandtrockenrasen, der noch in Resten vorhanden ist, wiederhergestellt werden soll. Die Rodung des überwiegenden Teils der Gehölze bis auf einige Solitäre sei von besonderer Bedeutung, um eine weitere Beschattung der Fläche und Nährstoffeintrag durch das Laub zu vermeiden. Außerdem soll die nicht heimische Späte Traubenkirsche abge-holzt werden. Schreiner: „Das Wiederherstellen des Sandtrockenrasens fördert die Wiederbesiedlung der Fläche etwa durch Zauneidechse, Wildbienen und Laufkäferarten.“ Begleitet und beaufsichtigt wird das Projekt von Tillmann Buttschardt von der Uni Münster.

Auf eine Frage aus dem Ausschuss und dem Ortsrat, die zusammen am Montag auch vor Ort in der Sache berieten, warum man diesen bereits ausgebildeten Sandtrockenrasen in den vergangenen Jahren sich selbst überlassen habe und erst so der Natur die Möglichkeit gegeben habe, sich diese Fläche, ein Hektar, zurückzuholen, musste Schreiner einräumen, diesen Bereich „vergessen“ zu haben. „Wir haben dieses Areal in den vergangenen Jahren vernachlässigt, es hat hier keine Pflege stattgefunden.“ Jetzt solle das nachgeholt werden, was in den vergangenen Jahren versäumt worden sei.

Buttschardt machte deutlich, dass es sich auch bei kleinsten Flächen lohne, Veränderungen zuzulassen, um in diesem Fall dem Magerrasen Vorrang zu gewähren. Zudem machte der promovierte Wissenschaftler deutlich, dass man manchmal etwas zerstören müsse, um Höherwertiges zu erhalten. Nur so sei eine biologische Vielfalt möglich. „Die Sandböden gehören zum Kulturerbe des Emslandes, und hier hat man die Möglichkeit, mit relativ wenig Geld viele Arten schützen zu können“, appellierte Buttschardt in Richtung Ortsrat und Umweltausschuss. Nach Angaben der Verwaltung soll die Realisierung des Projekts rund 30 000 Euro kosten, wobei die Stadt Lingen rund 2800 Euro zu tragen hätte. Der weitaus größere Teil werde aus Bundes- und Landesmitteln finanziert.

Neben der CDU machte auch Godula Süßmann, Liberale Fraktion, deutlich, dass man grundsätzlich für Magerrasen sei, aber es für diese Fläche „zu spät ist“. Süßmann: „Die Fläche ist jetzt bewaldet – das hätte man sich im Vorfeld besser überlegen sollen. Deswegen stimmen wir dagegen.“

„Als ein auf der ganzen Linie überzeugendes Projekt“ wertete Marc Riße, Bürgernahe, das Neuanlegen eines Magerrasens.

Auch Michael Fuest, Grüne, appellierte nachdrücklich an die CDU, ihr „Nein“ zu diesem Projekt noch einmal zu überdenken. „Es ist wirklich gut“, betonte Fuest in Richtung Mehrheitsfraktion.

Stefan Wittler erklärte für die SPD, dass seine Partei diesem Projekt „einiges abgewinnen“ könne. „Auch wenn es in der Vergangenheit Versäumnisse gegeben hat – das können wir jetzt beheben.“

An die Adresse der Unteren Naturschutzbehörde fragte Günter Reppien, wa-
rum der Ortsrat in Altenlingen, wo ein weiteres Projekt starten solle, noch keine Einzelheiten erklärt bekommen habe. Außerdem monierte Reppien, dass die Politik nicht früher eingebunden worden sei, um überhaupt erst einmal zu diskutieren, welche Flächen in der Stadt insgesamt für ein solches Projekt infrage kommen.

Der CDU-Ratsherr: „Haben Sie eigenmächtig nur den für Sie bequemsten Weg gewählt? Wir hätten es begrüßt, von den Möglichkeiten zu erfahren, die wir überhaupt haben – auch über Grenzen der Kommunen hinweg.“
Druckversion Druckversion 
Suche

Jens Beeck - Unser Abgeordneter in Berlin


Mitglied werden