FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 07.12.2016:

Sportausschuss sieht Gründung eines „FC Lingen“ skeptisch

Aus TuS Lingen wird RB Lingen. Foto: Wilfried Roggendorf
Aus TuS Lingen wird RB Lingen. Foto: Wilfried Roggendorf
RB Lingen will in Bezirksliga
Lingener Tagespost - Lokales vom 06.12.2016

Lingen. Über die Pläne der Stadt, einen höherklassigen Fußballverein in Lingen zu etablieren, hat der Lingener Sportausschuss in seiner jüngsten Sitzung diskutiert. Mehrere Mitglieder betrachteten dies mit Skepsis.

Erster Stadtrat Stefan Altmeppen erklärte, höherklassiger Fußball in der Stadt sei im Interesse aller. Nach der Abmeldung der Oberligamannschaft des TuS wolle die Stadt einen neuen Anlauf nehmen, einen gemeinsamen Verein zu etablieren. Hierfür hat die Stadt den Namen „FC Lingen“ geplant und Markenschutz für diese Bezeichnung beantragt . „Junge Talente sollen in Lingen spielen können“, sagte Altmeppen. Auf Nachfrage erklärte er, dass es hierzu verschiedene Modelle gebe. Wie diese Modelle aussehen, wollte Altmeppen nicht sagen. „Das möchten wir zunächst den Vorsitzenden aller Lingener Fußballvereine vorstellen, die wir noch in diesem Jahr zu einem Gespräch einladen werden.“

Koop: Idee geht an der Realität vorbei

„Irritiert“ zeigte sich BN-Fraktionsvositzender Robert Koop, darüber, dass die Stadt sich im Fußballspitzensport organisatorisch engagieren wolle. Die Idee, dass die anderen Vereine Spieler für einen FC Lingen abstellen würden, gehe an der Realität vorbei. Koop wies auf den finanziellen Aspekt hin: „Wenn man einen machen will, der Spitzensport bietet, muss eine Million Euro im Jahr auf den Tisch. Ich halte es für eine Illusion, dass es die gibt.“

Meyer: Konzept FC Lingen beerdigen

Auch Stefan Heskamp (CDU) betrachtete es als schwierig, einen Retortenverein zu bilden. Irgendwann solle ein bestehender Lingener Verein versuchen, Talente unterhalb des Jugendleistungszentrums in Meppen zu bündeln. „Dafür müssen die anderen Vereine aber umdenken“, forderte Heskamp. Sozialdemokrat Hermann-Otto Wiegmann meinte, es sei ein ungünstiger Zeitpunkt, um einen neuen Verein aufzubauen, auch wenn ihm der Spitzensport bei den Mannschaftssportarten fehle. „Da schauen viele sehnsüchtig nach Meppen und Nordhorn.“ Allerdings seien hier Vertreter der Wirtschaft mehr gefragt als die Vertreter der Stadt. Dirk Meyer (FDP) äußerte die Ansicht, dass das Konzept „FC Lingen“ wohl demnächst beerdigt werde. „Da keiner eine Million im Jahr geben wird, ist das vom Tisch“, prognostizierte Meyer.

RB Lingen will irgendwann in die Bezirksliga

Unterdessen hat sich der Hauptsponsor und Beiratsmitglied des RB Lingen, Heinrich Essmann, geäußert. Er bezweifelte, ob ein „FC Lingen“ sinnvoll ist: „Ich weiß nicht, wo das Geld herkommen soll.“ Der RB Lingen selbst wolle Kinder und Jugendliche fördern und ihnen den Spaß am Fußball erhalten. Essmann stellte klar, dass die Aussage des RB-Vorsitzenden Marcel Eilermann, es werde keine bezahlten Spieler mehr geben, falsch sei. „Es sollen keine Spieler durch überhöhte Zahlungen von anderen Vereinen abgeworben werden“, sagte Essmann. Derzeit würden keine Spieler des TuS beziehungsweise des RB Lingen bezahlt. „Unser Wunsch wäre es, uns mit RB Lingen irgendwann in der Bezirksliga zu etablieren“, erläuterte Essmann die Zielsetzung des TuS-Nachfolgevereins. „Aber nicht mit aller Gewalt“, fügte er hinzu. Der neue Verein könne sich keine überhöhten Personalkosten leisten.

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Kommentar von Mike Röser
Falsches Engagement der Stadt Lingen


Lingen. Kommentator Mike Röser hält nichts davon, dass die Stadt Lingen die Initiative ergreift, um einen Fußballclub zu gründen, der höherklassig spielen soll.

Wenn die Verwaltungsspitze im Sportausschuss behauptet, die Etablierung eines höherklassigen Fußballklubs in Lingen sei im Interesse aller – und damit das Engagement der Stadtverwaltung als Initiator statt als Moderator legitimieren will –, dann ist das nur eins: falsch.

Es ist nicht zu erwarten, dass die anderen Klubs einen von der Stadt protegierten Verein gutheißen. Welche Akzeptanzschwierigkeiten ein „Absaugen“ stärkerer Spieler mit sich bringt, sollte die Verwaltung mit Blick auf das Jugendleistungszentrum in Meppen ergründen – dort geschieht dies mit Legitimation des Fußballkreises.

Noch entscheidender: Ein Team in der Regionalligaspitze kostet jährlich etwa eine Million Euro, darüber braucht es mehr. Dem Wunsch der Verwaltung nach einem weiteren „weichen“ Standortfaktor wird mit diesem teuren Vergnügen nicht Genüge getan: Ein neuer Verein wie ein „FC“ wird in diesen Klassen keine entsprechende Strahlkraft entwickeln. Ein Blick auf die Zuschauerzahlen auf diesem Niveau, mit Ausnahmen wie dem SV Meppen, genügt für diese Erkenntnis.

Die Verwaltungsspitze sollte sich ihrer Kernaufgabe bewusst werden: Daseinsfürsorge. Diese ist nicht gefährdet, wenn Menschen zum Fußball nach Meppen fahren.
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