FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 05.11.2016:

Radfahrer demnächst auf der Straße - Beschluss des Lingener Verkehrsausschusses nach kontroverser Diskussion

Lingener Tagespost - Lokales

Autofahrer in Lingen werden sich demnächst die Fahrbahn mit Radlern teilen müssen. Die Radwegebenutzungspflicht wird an vielen Stellen aufgehoben. Dies hat der Verkehrsausschuss der Stadt beschlossen.

Von Wilfried Roggendorf

Lingen. Zunächst werden die Radfahrer im Bereich Waldstraße zwischen dem Kreisverkehr Waldstraße/ Willy-Brandt-Ring und der Kreuzung Waldstraße/Wilhelmstraße/Klasingstraße sowie der Klasing-, der Wilhelm- und der Bernd-Rosemeyer-Straße auf der Fahrbahn fahren. Nur in einigen kleinen Abschnitten ist es ihnen dort freigestellt, auch den Gehweg zu benutzen. Wie Frank Schöttmer, Leiter des Fachdienstes Recht und Ordnung der Stadt Lingen, erläuterte, müsse die Verwaltung wegen einer Neuerung der Straßenverkehrsordnung die Radwegebenutzungspflicht überprüfen. Diese bestehe nur dort fort, wo sie aus Gründen der Verkehrssicherheit zwingend erforderlich sei und der Radweg bestimmte Mindestanforderungen erfülle.

Auf der Fahrbahn seien Radfahrer häufig sicherer, auch wenn dies dem subjektiven Empfinden einzelner Radfahrer widerspreche, hieß es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Eine Auffassung, die Theresia Debeerst vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) teilte. „Es ist bewiesen, dass weniger Unfälle passieren, weil die Radfahrer auf der Fahrbahn von Autofahrern besser wahrgenommen werden. Es wird umso sicherer, je mehr Radfahrer auf der Straße sind“, erklärte Debeerst im Ausschuss.

Dem widersprach Jens Beeck (FDP). „Dieser Vorschlag hat lediglich den Vorteil, dass das Krankenhaus in der Nähe ist“, erklärte der Liberale. Eine Vermengung aller Verkehrsteilnehmer führe zu einer Gefährdung. Schon jetzt sei der Verkehr in der Stadt an einigen Stellen chaotisch. „Im Sinne der Verkehrsflüssigkeit ist dieser Vorschlag eine Katastrophe“, sagte Beeck. Die Verkehrsflächen reichten schon jetzt nicht aus. Zudem gebe es keine einzige Studie, die nachweise, dass Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer seien. „Selbst in einem Internetblog des ADFC wird dies kontrovers diskutiert“, erklärte Beeck.

„Die Unfallstatistik anderer Städte mit ähnlichen Regelungen weist gesunkene Zahlen auf“, hielt Werner Hartke (CDU) dem entgegen. Auch der Ausschussvorsitzende Marc Riße (Bürgernahe) sprach sich für die Neuregelung aus. Ralf Plaggenborg (SPD) meinte, dass die Neuregelung etwas völlig Neues sei und vielleicht zunächst beängstigend wirke. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg“, befand der Sozialdemokrat. Es sei sinnvoll, wie von der Verwaltung geplant, durch viele Piktogramme und Zusatzschilder Autofahrer darauf hinzuweisen, dass sie sich die Fahrbahn mit den Radfahrern teilen müssen. Neben Fahrradsymbolen auf dem Asphalt plant die Stadt, auch Schilder mit dem Hinweis „Radverkehr auf der Fahrbahn ist zulässig!“ aufzustellen.

Lingens Erster Stadtrat Stefan Altmeppen wies darauf hin, dass die gesetzlichen Regelungen die Benutzung der Fahrbahn durch Radler vorsehen würden. Zudem sei es gefährlich, wenn auf kombinierten Geh- und Radwegen schnell gefahren werde. „Die neue Regelung stellt einen Paradigmenwechsel in Lingen dar. Die Autofahrer werden sich daran gewöhnen müssen“, erklärte Altmeppen. Untersuchungen zur Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht würden sukzessive fortgeführt, teilte die Verwaltung mit. Mit der Aufhebung in weiteren Lingener Straßen sei Anfang 2017 zu rechnen.
Druckversion Druckversion 
Suche

Jens Beeck - Unser Abgeordneter in Berlin


FREI-BRIEF

Mitglied werden