FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 21.05.2016:

Stadt Lingen: Pläne sind „maßlos“ - Verwaltung kritisiert Erweiterung von Outletcenter in Ochtrup

Lingener Tagespost - Lokales

Die Pläne in der Stadt Ochtrup in NRW zur Erweiterung des „Design Outlet Center“ (DOC) lehnt die Stadt Lingen weiterhin vehement ab. Das Thema beschäftigte den Planungs- und Bauausschuss in seiner letzten Sitzung.

Von Thomas Pertz

Lingen. Dieser hatte sich mit der Stellungnahme der Verwaltung zur „Teilfortschreibung des Einzelhandelskonzeptes“ der Stadt Ochtrup befasst. Das Konzept soll den Worten von Stadtbaurat Lothar Schreinemacher zufolge die inhaltliche Begründung dafür liefern, dass die Erweiterung weder auf Ochtrup selbst noch auf die benachbarten Kommunen negative Auswirkungen habe.

Bislang lief das DOC in Ochtrup unter dem Namen „Factory Outlet Center“. Nachdem die McArthurGlen-Gruppe mit Sitz in London Anfang des Jahres Mehrheitseigner geworden ist, erfolgte die Umbenennung. Unverändert geblieben sind aber die Erweiterungspläne von 11500 auf 20000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Schreinemacher äußerte in der Sitzung die Befürchtung, dass es auch dabei nicht bleiben werde.

Nicht nur die Stadt Lingen, auch andere Kommunen in der Region haben Kritik an den Plänen geäußert, weil sie aus ihrer Sicht die Folgewirkungen für die Nachbarstädte und Gemeinden einfach ausblenden würden. „Immer größere Konsumtempel können nicht das Ziel sein“, meinte Michael Fuest für Bündnis 90/Die Grünen. Solche Entwicklungen wie die in Ochtrup konterkarieren nach seiner Auffassung die Bemühungen anderer Städte um eine lebendige Innenstadt. Gut sei deshalb, dass solche Stellungnahmen auch von anderen Kommunen getragen würden.

Er frage sich, was die Stadt Ochtrup eigentlich davon habe, denn sie schwäche sich damit selbst, meinte Stefan Wittler für die SPD. Schreinemacher verwies auf das Beispiel „Centro“ in Oberhausen. Das Freizeit- und Einkaufszentrum ist auf einem ehemaligen Industriegelände entstanden. Die rund 200 Geschäfte im Centro nehmen zusammen eine Verkaufsfläche von über 72300 Quadratmetern ein. Solche großen Einheiten funktionieren nach seiner Darstellung, „aber die historisch gewachsenen Innenstädte nehmen erheblichen Schaden“.

Die Stellungnahme der Stadt sei richtig, meinte Jens Beeck für die Liberale Fraktion. Aufgabe aller müsse es aber auch sein, weiter an einem attraktiven Einkaufserlebnis in Lingen zu arbeiten. Dann müsse auch niemand Sorge haben vor solchen Entwicklungen wie in Ochtrup.

„Wir dürfen uns nicht ausruhen, brauchen uns aber auch nicht zu verstecken“, meinte Dezernent Schreinemacher. Wichtig sei, dass der Wettbewerb mit gleichen Mitteln ausgetragen werde. „Wenn Rheine zum Beispiel eine Einkaufsmall in der Stadt baut, muss jede andere Stadt eben damit klarkommen.“ In Ochtrup dagegen liegen die Dinge nach seinen Worten anders. In der Stellungnahme der Verwaltung heißt es dazu wörtlich: „Die von der Stadt Ochtrup angestrebten Konzentrationsprozesse zulasten der Nachbarkommunen sind maßlos und nehmen nicht hinreichend Rücksicht auf die gemeindenachbarlichen Belange.“

Kommentar der LT:
Von Thomas Pertz

Einzelhandel kommt auch von „einzeln handeln“. Da ist sich mitunter jeder selbst der Nächste, und es ist schwierig, die Interessen aller unter einen Hut zu bekommen. Das gilt ebenso für die Belange von Kommunen, wenn es um die Entwicklung ihrer Einkaufsstandorte geht. Siehe Ochtrup: Die Kleinstadt ist auf dem besten Wege, sich quasi selbst in ein Einkaufszentrum zu verwandeln. Dass es in den Nachbarstädten an Beschwerden nur so hagelt, wird zur Kenntnis genommen – mehr aber wohl auch nicht.

Gleichwohl ist es richtig, dass die Stadt Lingen wie auch andere Kommunen im südlichen Emsland und darüber hinaus nicht stillschweigend über solche Planungen hinweggehen. Mit welchem Erfolg bleibt abzuwarten.

Nicht warten sollte die Kommune allerdings damit, weiter an der Attraktivität des Einzelhandelsstandortes Lingen zu feilen. Dass da in den letzten Jahren schon jede Menge passiert ist, wird niemand bestreiten. Die Lookentorpassage – nächstes Jahr wird sie zehn Jahre alt – hat wie ein Beschleuniger gewirkt, was Investitionen in Handel, Dienstleistung und Gastronomie, die Gestaltung der Fußgängerzone und des Marktplatzes anbelangt.

Darauf gilt es aufzubauen – und sich dabei auch ein wenig zurückzubesinnen. Der Liberale Jens Beeck hatte in der Diskussion im Ausschuss mit seinem Hinweis nicht unrecht, dass die politische Forderung nach Schaffung von innerstädtischem Wohnraum bei Bauprojekten in letzter Zeit kaum umgesetzt worden ist. Wo aber immer weniger Menschen wohnen, verwaisen die Orte nach Geschäftsschluss.

Also: Kritik üben als Kommune an Fehlentwicklungen in der Nachbarschaft ist richtig, die eigenen Hausaufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren aber auch.
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