FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 16.03.2015:

Sanieren oder neu bauen in Lingen? Diskussion im Planungs- und Bauausschuss

Lingener Tagespost - Lokales

Lingen. Müssen in den Lingener Stadt- und Ortsteilen immer wieder neue Baugebiete ausgewiesen werden, oder hat die Stadt bereits genügend? Sollte stattdessen nicht lieber „nachverdichtet“ und mehr Wert auf den sozialen Wohnungsbau gelegt werden? Um diese Fragen ging es einmal mehr im Planungs- und Bauausschuss (PBA) der Stadt.
Die Positionen sind auch seit Jahr und Tag klar. Während sich die CDU klar dafür ausspricht, dass neue Baugebiete sein müssen, wenn auch mit Augenmaß, um die Menschen an die Stadt zu binden, schießen die SPD, die Grünen, die Bürgernahen und die Liberale Fraktion quer. Sie wollen bezahlbaren Mietraum und eine Stadt, die durch ihre Innenentwicklung lebendig bleibt.
Befeuert wurde die Diskussion durch das erneute Ausweisen eines Baugebietes in Bramsche, wo rund
50 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser mit einer Grundstücksgröße von etwa 570 Quadratmetern verkauft werden sollen.
29 Grundstücke
Wissend, dass das Ausweisen von neuem Bauland bei den anderen Parteien nur ungern gesehen wird, erläuterte CDU-Ratsherr Uwe Hilling, dass erst kürzlich in Laxten 29 Grundstücke verkauft worden seien, auf die es rund 190 Bewerbungen gegeben habe. „Wir haben den Wohnungsbedarf in Bramsche und eine augenblickliche Situation am Kapitalmarkt, die es mehr Menschen als früher möglich macht, sich jetzt ein eigenes Heim zu bauen.“, betonte der Christdemokrat. „Ja, ja“, winkte Edeltraut Graeßner dankend ab, „immer wieder die gleichen Argumente“, bedauerte die Sozialdemokratin. Viele derer, die heute bauten, legten ihr Geld in „Betongold“ an. „Das sind alles Leute, die nicht selbst in den neuen Häusern wohnen“, vermutete die Ratsfrau.
„Das stimmt nicht“, konterte Hilling direkt und bezog sich auf ein vor ihm liegendes Papier, aus dem hervorgehen soll, dass die Investoren auch überwiegend in den Neubauten wohnten. „Ich habe das hier schriftlich“, betonte der Christdemokrat auf das Papier pochend.
„Das passt doch vorne und hinten nicht“, brachte sich Grünen-Ratsfrau Birgit Kemmer in die Diskussion. Sie habe zum Beispiel eine Liste derer, die am ehemaligen Sägewerk in Darme bauen wollten, und: „Wenn ich hier lese, wer dort bauen will, kann ich nur sagen, dass einige von denen anscheinend kein Schamgefühl besitzen.“ Ferner mahnte die Ratsfrau in die Runde aufzupassen, damit die Immobilienpreise, die sie in Teilen für völlig überhöht einstufte, nicht platzten wie einst Wertpapiere auf dem Aktienmarkt. Auch in Lingen sei man davor nicht gefeit.

Mit dem wohlfeilen Satz, dem in der Runde auch leise applaudiert wurde „Wir müssen das eine tun, ohne das andere zu lassen“, brachte sich der Stadtbaurat zurück in die verbale Auseinandersetzung. „Wir müssen den Wohnbedarf, der in Lingen entsteht, auch in Lingen abdecken, weil wir natürlich nach wie vor in einem Wettkampf mit unseren benachbarten Kommunen stehen“, machte Schreinemacher deutlich. Neben dem Ausweisen neuer Baugebiete sei man mit der sogenannten Innenentwicklung gestartet und biete, wie etwa im Emsauenpark, viele Sonderwohnformen an.

Kleine Einkommen
Dass es in den Ortsteilen nicht nur um das Ausweisen neuer Wohngebiete gehe, machte Reinhold Diekamp deutlich: „Wir müssen auch an bezahlbaren Mietwohnungsbau denken, um Bürgern mit einem kleineren Einkommen eine eigene Wohnung zu ermöglichen. „Wir müssen unsere Ortsteile lebendig halten, weil nur so eine funktionierende Infrastruktur aufrechterhalten werden kann. Seien es Kindergärten, Schulen, die ärztliche Grundversorgung oder ein Lebensmittler. Ohne eine gemischte Bevölkerungsstruktur würde es einiges bald nicht mehr geben.

Jetzt ging der Ball an den Liberalen Jens Beeck, der sich eigentlich schon immer gegen das Ausweisen neuer Baugebiete ausgesprochen hat. Basierend auf den Zahlen der Verwaltung, monierte der liberale Ratsherr, dass von 2012 bis 2014 etwa 1400 Wohneinheiten in rund 170 Mehrfamilienhäusern und 330 Einfamilienhäuser durch die Stadt genehmigt worden seien. „Wo soll das denn noch hinführen?“, fragte der Ratsherr in die Runde. „Alte Menschen werden ihre Häuser, wenn überhaupt, nur noch zu einem Spottpreis los, weil bestehendes Eigentum durch immer neue Grundstücke an Wert verliert.“ Und in Richtung Verwaltung kritisierte Beeck, dass unter anderem in Sachen „Jung kauft Alt“ nur sehr wenig passiere – trotz eines Ratsbeschlusses, in der Sache tätig zu werden.

„Unter der Hand“
Dagegen votierte sofort Stefan Heskamp seitens der CDU, der ebenfalls wie Beeck in Damaschke seine familiären Wurzeln hat. „Hier bei uns in Damaschke kaufen viele Junge alte Immobilien und helfen so, die geforderte Nachverdichtung auch umzusetzen. „Bloß das passiert, ohne dass manche das mitbekommen,“ feixte Heskamp augenzwinkernd mit Blick auf den Liberalen. Dem wollte auch Werner Hartke als Ortsbürgermeister in Darme nicht nachstehen: „Viele Häuser gehen doch überhaupt nicht an den Markt, sondern gerade die interessanten Objekte werden unter der Hand weitergegeben“, wusste Hartke, und: „Durch die günstigen Darlehen werden gerade die energetischen Sanierungen älterer Objekte auch für junge Familien wieder möglich.“
Zum letzten Mal in dieser Diskussion hob Grünen-Ratsfrau Kemmer ihren Finger, um wiederholt darauf hinzuweisen, dass insbesondere bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden müsse, und nicht nur Häuser für Reiche gebaut werden dürften.
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