FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 22.09.2014:

Stadt Lingen baut 20 Spielplätze ab - Verwaltung stellt Liste im Beirat vor

Lingener Tagespost - Lokales

Lingen. 20 von insgesamt 126 Spielplätzen in Lingen sollen in nächster Zeit aufgegeben werden, weil es dort keine Nachfrage mehr gibt. Eine entsprechende Lis te hat die Stadtverwaltung in der Sitzung des Beirates Spielräume vorgestellt. Damit endet eine über zweijährige intensive Diskussion zwischen Vertretern des Fachbereichs Jugend, Arbeit und Soziales, der Ortsräte und Nachbarschaften.
Wie Fachbereichsleiter Günter Schnieders ausführte, basieren die Fragen nach der künftigen Anzahl an Spielflächen in Lingen auf der Spielleitplanung, die die Stadt 2009/2010 erarbeitet hatte. Sie diente als Entscheidungsgrundlage für den künftigen Bedarf an Spielräumen für Kinder, Jugendliche und Familien.

Anregungen aus dieser Planung wurden auch schon in die Tat umgesetzt. Der „Dirt-Park“ im Emsauenpark als Treffpunkt für Jugendliche ist ein Beispiel.

Ein Thema war aber eben auch die Frage, ob jeder der 126 Spielplätze vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch weiterhin benötigt wird. Pro Platz zahlt die Stadt nach Angaben von Schnieders jährlich 1500 Euro an Unterhaltung.

Der Fachbereichsleiter verwies auf den intensiven Diskussionsprozess in den vergangenen Monaten mit Ortsräten und Anliegern vor Ort. Ergebnis sei ein Vorschlag mit einer Liste von nunmehr 20 Flächen, die auf Dauer aufgegeben und zunächst in Grünflächen umgewandelt würden. Ursprünglich hatte die Liste 40 Plätze umfasst. Schnieders machte gleichzeitig deutlich, dass Spielplätze im Umfeld von Flächen, die nun rückgebaut werden, aufgewertet werden sollen.

Der Beirat unter dem Vorsitz von Björn Roth ging jeden einzelnen Spielplatz (siehe Grafik) durch. Dort, wo Rückmeldungen aus dem Ortsrat bzw. von Anliegern kamen mit der Bitte um Erhalt bzw. auch mit dem Angebot, Patenschaften oder Pflegearbeiten zu übernehmen, ist dem auch entsprochen worden. In Holthausen-Biene hatte der Ortsrat der Verwaltung allerdings lediglich mitgeteilt, dass die Flächen am Wittenbergring und „Am Kreuzbach“ erhalten bleiben müssten. Nähere Erläuterungen habe es nicht gegeben, sagte Schnieders. „Nur zu sagen: ‚Es bleibt, wie es ist‘ – das ist zu wenig“, meinte Jens Beeck von der Liberalen Fraktion.

Nicht alles, was die Kommunikation anbelangt, lief offenbar in Altenlingen rund. In der Einwohnerfragestunde kritisierten Mütter aus der Nachbarschaft des Spielplatzes „Rehtränke“, dass der Ortsrat und der Ortsbürgermeister nicht mit ihnen gesprochen hätten.

Der Ortsrat hatte zunächst für den Rückbau des Platzes plädiert. Eltern sammelten daraufhin Unterschriften, insgesamt 66, um ihn zu erhalten. Auf einer zweiten Liste votierten 18 Bürger für die Aufgabe des Platzes. Die Spielfläche „Am Ameisenhügel“ in der Umgebung ist für Eltern mit Kleinkindern aber keine Alternative, da der Platz nicht einsehbar ist.

Es sei traurig, dass Eltern sich erst rechtfertigen müssen, dass ihre Kinder den Platz bräuchten, meinte SPD-Ratsfrau Susanne Janßen. Der Ortsrat hätte hier sensibler reagieren müssen.

Erfreut nahmen die Mütter zur Kenntnis, dass der Spielplatz „Rehtränke“ nun doch erhalten bleibt. Voraussetzung ist die Übernahme der Pflege durch die Anlieger. Fachbereichsleiter Günter Schnieders stellte klar, dass mit der Übernahme von Pflegearbeiten keine Haftungsfragen verbunden seien. Die Prüfung der Spielplatzgeräte hinsichtlich ihrer Sicherheit bleibe weiterhin Aufgabe des sozialen Wirtschaftsbetriebs Reholand.

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Kommentar der LT:
Mit Fingerspitzengefühl
Spielplätze schließt keine Kommune gern, auch Lingen nicht. Aber angesichts von 126 solcher Flächen dort muss die Frage erlaubt sein,
ob jede einzelne noch benötigt wird. Wohnsiedlungen verändern sich, aus Förmchenbäckern werden junge Menschen, die
wegziehen und Eltern an Wochenenden besuchen.

Gut also, dass sich die Verwaltung des sensiblen Themas angenommen hat; noch besser, dass sie es nicht durch die Brille des Haushälters betrachtet, der nur Geld sparen will. Der Fachbereich Jugend, Arbeit und Soziales hat mit Fingerspitzengefühl im Zusammenspiel mit Ortsräten und Nachbarschaften eine Liste erarbeitet, die keine einfallslose „Streichliste“ ist.

Auf 20 Flächen soll verzichtet werden, die doppelte Anzahl stand zunächst auf dem Papier. Einwände von Anliegern wurden nicht abgebügelt. Die Bereitschaft von Eltern, bei der Pflege der Plätze Hand anzulegen, trug mit dazu bei, Spielplätze zu erhalten. Dies zeugt von bürgerschaftlichem Engagement.

Dass in diesem Prozess nicht alles rund lief – Kommunikationspannen in Altenlingen und ein sprödes „Die Plätze bleiben, basta“ in Holthausen-Biene sind Beispiele – bleibt nicht aus. Entscheidend ist, dass weniger Spielplätze eine Stadt nicht weniger kinderfreundlich machen. Das bleibt Aufgabe jedes einzelnen Bürgers.
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