FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 02.04.2014:

80 000 Euro für den SV Holthausen-Biene? Verwaltung der Stadt Lingen schlägt zinsloses Darlehen an den Verein vor

Lingener Tagespost - Lokales

Lingen. Die Stadt Lingen soll dem von der Insolvenz bedrohten SV Holthausen-Biene mit einem Darlehen über 80 000 Euro unter die Arme greifen. Diesen Vorschlag unterbreitet die Verwaltung der Politik, wie aus einer Mitteilung der Stadt vom Dienstagnachmittag hervorgeht.
Spielergehälter für die erste Herrenmannschaft wurden in der Vergangenheit an Finanzamt und Sozialkassen vorbei gezahlt – von dort drohen nun Nachforderungen von insgesamt etwa 380 000 Euro. Vor diesem Hintergrund möchte die Stadt dem Verein ein für acht Jahre zins- und tilgungsfreies Darlehen gewähren.

Erster Stadtrat Ralf Büring begründet den Vorschlag der Verwaltung: „Mit insgesamt 24 Mannschaften ist der Verein aber auch über die erste Herrenmannschaft hinaus sehr breit aufgestellt. Diese bestehenden und intakten Strukturen wollen wir nicht zerschlagen.“ Eine Insolvenz des Vereins solle nach Möglichkeit vermieden werden.

Zudem wolle die Stadt das ehrenamtliche Engagement hochhalten. Vor dem Hintergrund laufen wir natürlich Gefahr, dass das Fehlverhalten von Einzelnen es zukünftig erschweren wird, weiterhin Freiwillige zu finden, die sich in den Vereinen engagieren und solche Positionen übernehmen. Das ist keinesfalls in unserem Sinne.“

Über die Bereitstellung der entsprechenden Haushaltsmittel solle bereits im Finanzausschuss der Stadt am heutigen Mittwoch beraten werden. Bis Ende April sollten die politischen Gremien dann entscheiden.

Einzelheiten zu dem Darlehen müssten mit dem SV Holthausen-Biene noch besprochen werden. In der Vergangenheit habe die Stadt Lingen bereits anderen Vereinen in ähnlich misslichen Situationen geholfen.

Büring betont laut der Mitteilung: „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Steuerschulden und vorenthaltenen Abgaben zur Sozialversicherung des Vereins zu begleichen.“

Offene Fragen bleiben
Für eine weitergehende Stellungnahme stand die Stadt bislang aus Termingründen nicht zur Verfügung. Von daher bleiben Fragen unbeantwortet: Was passiert nach Ablauf der achtjährigen Laufzeit des Darlehens? Ist das Darlehen an bestimmte Bedingungen geknüpft – beispielsweise den Verzicht auf die Landesligamannschaft, die pro Saison geschätzt zwischen 100 000 und 150 000 Euro kosten dürfte? Besteht die Möglichkeit, den Verein insolvent gehen zu lassen und das Breitensportangebot, nicht nur im Fußball, in einem neu zugründenden Verein fortzuführen? 80 000 Euro dürften trotz der intensiven Bemühungen des Vereins zudem immer noch nicht ausreichen, um die Forderungen der Sozial- und Finanzbehörden zu erfüllen. Was passiert mit dem Geld, wenn der SV Holthausen-Biene letztendlich doch in die Insolvenz gehen müsste?

Alle diese Fragen wird die Verwaltung der Stadt in den kommenden Tagen beantworten müssen, um ihren Vorschlag den politischen Gremien zu vermitteln.

Sportausschussvorsitzender Stefan Heskamp hält den Vorschlag für richtig. „Sicherlich wurden große Fehler gemacht. Aber wir können den Gesamtverein mit 1200 Mitgliedern nicht alleine lassen“. Heskamp betont, dass es nicht um den Spielbetrieb der ersten Mannschaft gehe. Die Stadt dürfe den Verein nicht fallen lassen.

***

Kommentar der LT:
Ein falsches Signal
Mit einem Darlehen über 80 000 Euro an den von Insolvenz bedrohten SV Holthausen-Biene würde die Stadt Lingen ein falsches Signal aussenden – genauso, wie sie es 2009 mit einem Zuschuss in gleicher Höhe für den ebenfalls von der Pleite bedrohten TuS Lingen gemacht hat.

In beiden Fällen sind den Vereinen ihre teuren ersten Fußballmannschaften finanziell über den Kopf gewachsen. Während dem TuS die Sponsoren wegbrachen, hat man in Biene bestenfalls „schlicht übersehen“, dass ab einer gewissen Entlohnung für Amateurfußballer Fiskus und Sozialversicherung zu beteiligen sind.

Wäre es nicht besser, der Verein ginge in die Insolvenz und würde sich auf der Basis des Breitensports neu aufstellen? Ein Verzicht auf die teure Landesligamannschaft könnte die Gefahr bannen, dass sich der Verein erneut finanziell im bezahlten Amateurfußball verzettelt. Dann könnte es auch einfacher werden, die Vereinskasse zu konsolidieren.

Ein solcher Schritt würde bei anderen Vereinen, die seit Jahr und Tag solide wirtschaften, die Akzeptanz der städtischen Hilfe sicherlich erhöhen.
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