FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 06.03.2014:

Vion will Betrieb in Lingen schließen - Stadt und Landkreis Emsland drohen Fleischkonzern – 270 Jobs in Gefahr

NOZ - Wirtschaft

Lingen. Der Fleischkonzern Vion will den Schlachthof in Lingen schließen und die rund 270 Mitarbeiter vor die Tür setzen. Die Rechnung hat das Unternehmen aber allem Anschein nach ohne Stadt Lingen und Landkreis Emsland gemacht. Die Verwaltungen pochen auf Einhaltung von Verträgen und drohen mit juristischen Schritten.
Die drei Parteien haben einen Vertrag über den Betrieb des Schlachthofes abgeschlossen, und demnach wäre Vion bis 2020 verpflichtet, in Lingen zu schlachten. Das Unternehmen sagt Nein und verweist auf eine Klausel. Demnach könne der Betrieb eingestellt werden, wenn er nicht mehr rentabel sei.

Vion sieht diesen Punkt erreicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Manager Heinz Schweer, der Betrieb habe in zehn Jahren mehr als zehn Millionen Euro Verlust eingefahren. Heftigster Rückschlag: der Verlust eines regionalen Handelsunternehmens aus Ostfriesland als Hauptabnehmer für die Produkte aus Lingen. Davon habe sich der Schlachthof nicht mehr erholt, sagt Schweer.

Bis Ende April ist Schluss
Um 30 Prozent sei die Zahl der Schlachtungen zurückgegangen. Zuletzt seien pro Woche noch 12 000 Tiere in Lingen getötet worden. Aus Sicht des Managers zu wenig, um den Standort wirtschaftlich zu betreiben. Der Konzern wolle eher den Standort Emstek im Landkreis Cloppenburg stärken. Hier seien bis zu 70 000 Schlachtungen pro Woche genehmigt. In Lingen hingegen soll spätestens Ende April Schluss sein.

Erst vergangenes Jahr hatte das angeschlagene Unternehmen einen Schlachthof in Minden geschlossen. Zudem war eine komplette Geschäftssparte, zu der auch „Artland Convenience“ in Badbergen gehört, verkauft worden. Ganz so reibungslos wird es in Lingen wohl nicht laufen. Oberbürgermeister Dieter Krone und Landrat Reinhard Winter (CDU) kündigen rechtliche Schritte an, sollte Vion am Schließungsplan festhalten. „Unserer Auffassung nach ist der Nachweis für die vorgebliche Unwirtschaftlichkeit nicht erbracht“, teilen die Verwaltungschefs mit. Der Vertrag zwischen den drei Parteien habe „für uns nach wie vor absolute Gültigkeit“.

Vion hingegen verweist auf das Gutachten von Wirtschaftsprüfern, die der Konzern beauftragt hatte. Die Empfehlung sei eindeutig: den Betrieb mangels wirtschaftlicher Perspektive schließen. Und zwar schnellstmöglich.

Bereits am Mittwochvormittag waren die Mitarbeiter in Lingen über die Schließungspläne informiert worden. Erst danach entspann sich der Streit zwischen den drei Vertragsparteien. Unklar ist, was das für Auswirkungen auf die Jobs der Angestellten hat. Gut 100 sind fest angestellt. Weitere rund 170 arbeiten per Werkvertrag in dem Schlachthof. Mit Gewerkschaft und Betriebsrat soll Vion bereits Gespräche über Sozialpläne geführt haben.


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Kommentar der NOZ:
Ohne Rücksicht auf Verluste
Vion wankt. Kostspielige Fehler der Vergangenheit belasten den Fleischkonzern bis heute schwer. Ein Expansionsdrang an der Grenze zum Größenwahn hat das Unternehmen in die Krise gestürzt. Der Beleg ist das Ergebnis nach Steuern im Jahr 2012: 817 Millionen Euro Verlust.

Die Firmenlenker von einst sind ausgetauscht. Die neuen Manager – oder besser gesagt Feuerwehrmänner – versuchen, den Weg aus der Krise mit Schließungen und dem Verkauf ganzer Geschäftsfelder zu ebnen. Die Botschaft: Will Vion überleben, braucht es schnell Geld. Verlustbringer müssen abgestoßen oder geschlossen werden.

Es mutet fast wie die logische Konsequenz aus der Geschichte an: Das Unternehmen, das einst ohne Rücksicht auf Verluste expandierte, schrumpft sich nun wiederum ohne Rücksicht auf Verluste gesund.

Fraglich bleibt, ob die offensichtliche Unstimmigkeit über den Betreibervertrag des Schlachthofes in Lingen zwischen Vion, Stadt und Landkreis Emsland dessen Ende verhindern kann. Was sollen die Verwaltungen machen? Selbst schlachten?

Letztlich sind Standorte wie der in Lingen Leidtragende des Rennens der Fleischbarone in Deutschland. Als Sieger geht zumindest vorläufig der Tönnies-Konzern hervor, der auf wenige, dafür umso größere Standorte gesetzt hat. Bald wird sich die Frage stellen, wie sich diese Firmenstruktur mit dem offensichtlichen Verbraucherwunsch nach mehr Regionalität verbinden lässt.
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