FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 05.04.2013:

RWE-Gaskraftwerke in Lingen sind kaum am Netz – Erste Entlassungen sind bereits geplant

Lingener Tagespost - Wirtschaft

Lingen. Die Prognose für einen dauerhaften Erhalt des Standortes für das RWE-Erdgaskraftwerk in Lingen stimmt nicht optimistisch. Daraus machte Hans-Jürgen Wüllenweber, Leiter des Kraftwerkes, im Verlauf der Kraftwerksgespräche am Mittwochabend im Kasino des RWE-Kernkraftwerkes Emsland (KKE) keinen Hehl.

Vor rund 100 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erklärte Wüllenweber, dass dafür insbesondere der rasante Ausbau der regenerativen Energien und der extrem hohe Gaspreis in Europa verantwortlich seien. „Hätten wir diese Entwicklung vorausgesehen, wären in Lingen keine 700 Millionen Euro investiert worden“, betonte der Experte. In den letzten fünf Jahren investierte RWE Power 400 Millionen Euro in ein neues Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD-Anlage), 200 Millionen Euro für neue Rolls-Royce-Turbinen im „alten“ Gaskraftwerk aus den 1970er-Jahren und 100 Millionen Euro für eine sogenannte „Optimierungsleitung“, einen Gasspeicher, der es dem Unternehmen erlaubt, für einige Zeit unabhängig vom Markt das Kraftwerk fahren zu können.

Wüllenweber machte anhand der zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien, insbesondere Wind- und Solarenergie, in das Netz deutlich, dass das in erster Linie die Gaskraftwerke treffe. „Und was heißt das jetzt für unseren Standort?“, fragte Wüllenweber in die Reihen der Gäste, um seine Frage auch gleichzeitig zu beantworten: „Was wir brauchen, ist eine hohe Zuverlässigkeit zur richtigen Zeit, eine Fixkostensenkung, eine kostengünstige Flexibilität und eine eventuelle Teilkonservierung von Blockanlagen.“

Wie Wüllenweber nach der Veranstaltung auf Anfrage unserer Zeitung weiter erläuterte, heiße „Fixkostensenkung“ unter anderem eine auf Dauer angelegte „sozialverträgliche“ Reduzierung der Mitarbeiter im Gaskraftwerk. Zurzeit ist im Gespräch, den Mitarbeiterstamm um 30 Kollegen von etwa 100 auf 70 Mitarbeiter zu senken.

Angesprochen auf die „Teilkonservierung“ von Blockanlagen, machte der Kraftwerkeleiter zudem deutlich, dass das zunächst einmal das „alte“ Gaskraftwerk, die sogenannten Kombiblöcke, betreffe. Aufgrund der bereits genannten Entwicklungen im Bereich der hoch subventionierten regenerativen Energien und der am Markt herrschenden Gaspreise sei ein wirtschaftliches „Fahren“ beider Gaskraftwerke, die ja bereits jetzt kaum noch ans Netz gingen, unmöglich. „Es gehört jetzt alles auf den Prüfstand, weil wir mit diesem Standort kein Geld mehr verdienen“, zeichnete Wüllenweber dunkle Gewitterwolken an den Himmel und hinterließ eine große Sprachlosigkeit in den Gesichtern seiner Zuhörer.

An die Adresse der Politik gerichtet betonte der Kraftwerksleiter, dass die Sub ventionierung regenerativer Energien (EEG-Umlage) an der deutschen Grenze aufhöre und dass dieses zu einer Verzerrung des Wettbewerbs führe. „Die Politik sollte lernen, europäischer zu denken“, kritisierte Wüllenweber den deutschen Alleingang in dieser Sache.

„Durch die Energiewende ist die Rentabilität hochmoderner Gaskraftwerke wie bei uns in Lingen leider deutlich gesunken. Falls in der Folge beim Gaskraftwerk Lingen tatsächlich Stellen abgebaut werden sollten, haben wir von der RWE die Zusage erhalten, dass dies auf jeden Fall sozialverträglich geschehen soll“, sagte Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone auf Anfrage. „Hinsichtlich der Zukunft der Gaskraftwerke ist die Bundespolitik dringend aufgefordert, im Sinne einer nachhaltigen Energieversorgung die hocheffizienten und ökologischen Gaskraftwerke im Gesamtportfolio zu stärken“, betonte Krone.
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