FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 02.03.2012:

Arzthelferinnen übernehmen Aufgaben der Mediziner - Emsländische Versorgungsinitiative geht neue Wege

Lingener Tagespost - Kreis Emsland

ma Meppen. Mit ganz neuen Strukturen will die eigens ins Leben gerufene Emsländische Versorgungsinitiative (EVI) das Problem des Ärztemangels im Emsland zumindest abmildern. Die Organisatoren um den Papenburger Hausarzt Dr. Volker Eissing und den Verwaltungsdirektor des Meppener Ludmillenstiftes, Wilhelm Wolken, wollen hierzu ein bundesweit einmaliges Modellprojekt umsetzen.
Über eine hochkarätige Qualifizierung mit einem Basismodul von 200 Stunden sowie weiteren Fachmodulen sollen Arzthelferinnen, aber auch Krankenschwestern und Altenpfleger befähigt werden, gezielt Aufgaben der Hausärzte zu übernehmen.
Das Starttreffen für das Vorhaben fand am Mittwoch vor rund 60 Zuhörern, unter ihnen Ärzte, Politiker aber auch Vertreter von Krankenkassen, Pharmakonzernen, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Hochschulen im Schulungszentrum des Ludmillenstiftes statt.
Anhand seiner eigenen Situation schilderte Dr. Eissing den Istzustand. Er sei mit 51 Jahren im Umkreis noch der jüngste Hausarzt. Der älteste praktiziere in Papenburg noch mit 74 Jahren. Allein im nördlichen Emsland seien 60 Hausarztstellen unbesetzt. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen habe für 2020 einen Versorgungsgrad von 24,5 Prozent errechnet.
Eissing weiter: „Dersum sucht seit Jahren für ihren Ort mit 1300 Kassenpatienten einen niedergelassenen Arzt.“ Er könne es jungen Kollegen jedoch nicht verübeln, wenn sie Oldenburg bevorzugen. „Dort können sie mit 350 Privatpatienten bei wesentlich weniger Aufwand wesentlich mehr Geld verdienen“, so Eissing.
Bereits heute behandelten viele Hausärzte im Emsland viel mehr Patienten, als ihnen die Kassenärztliche Vereinigung zugesteht. Dabei lohne sich der Mehraufwand finanziell noch nicht einmal.
Das Modellprojekt will mit neuen medizinischen Strukturen die Gesundheitsversorgung zukünftig trotzdem sicherstellen. Durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen könnten gerade Arthelferinnen ärztliche Teilaufgaben übernehmen. Dies beginne bei Hausbesuchen und Injektionen und reiche über die Fachkraft für chronisch kranke Menschen bis hin zur Expertin für Diabetes- oder auch Palliativpatienten.
Werner Koop, Leiter der Krankenpflegeschule des Ludmillenstiftes, stellte hierzu ein „hoch qualifiziertes Schulungsprogramm mit mehreren Modulen vor. Ziel sei es, in Kooperation mit dem Niedersächsischen Sozialministerium und anderen Gremien diese Haus-arztnahe medizinische Assistenz (HanA) auch zertifizieren zu können.
Zudem sollen die Assistentinnen auch EDV-technisch über Netbooks und Programme der Firma MEDNET mit der Artpraxis, den Pflegediensten, Laboren oder den Hospitälern bei ihren Hausbesuchen kommunizieren können.
In der drei- bis fünfjährigen Pilotphase soll das Projekt an Standorten in Papenburg, Klein Berßen, Lathen und Lingen sowie auf dem Hümmling mit insgesamt über 20 000 Patienten erprobt werden.
Prof. Dr. Eva Hummers-Predier von der Universität Göttingen bot eine wissenschaftliche Begleitung an. „Dieses Modell besitzt deutschlandweit den höchsten Qualifizierungsstandard“, lobte sie. Eissing hofft deshalb auf den „großen Schulterschluss“ aller Beteiligten.
Staatssekretär Heiner Pott vom Niedersächsischen Sozialministerium forderte: „Das Projekt muss der Landkreis koordinieren.“ Es dürfe nicht wieder das „alte Konkurrenzdenken“ zwischen Lingen, Meppen und Papenburg aufbrechen. Landrat Reinhard Winter ergänzte in Richtung Projektinitiatoren: „Der Landkreis Emsland ist offen für neue Ideen.“
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