FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 04.02.2012:

„Wir hoffen auf schwarze Null in drei Jahren“

Lingener Tagespost - Kreis Emsland

Marienkrankenhaus Papenburg will medizinische Leistungen ausbauen – Gespräche mit Meppener Klinik

Papenburg/Lingen. Der Erhalt der Frühgeborenen-Intensivversorgung durch Investitionen in eine neue Station (wir berichteten) ist für das Marienkrankenhaus in Papenburg nur der Anfang einer Neuaufstellung. Im Interview mit unserer Zeitung äußern sich die Geschäftsführer Matthias Bitter (Papenburg) und Ansgar Veer (St.-Bonifatius-Hospital Lingen) sowie der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer (Lingen) zu geplanten Investitionen, der Entwicklung des medizinischen Angebots und zum Stand der Aufarbeitung der Gründe für die finanzielle Schieflage der vergangenen Jahre. Das Interview im Wortlaut:
Widersprechen Sie den Ängsten, dass die Klinik in ihrem Leistungsangebot in den kommenden Jahren stark reduziert wird und zu einer Zuweisungsklinik für andere Häuser wird?
Ansgar Veer: Ja, das passiert auf gar keinen Fall. Es gibt die Perspektive, dass keine Hauptfachabteilung geschlossen wird. Die medizinische Versorgung in Papenburg wird sichergestellt sein. Wir wollen das Haus innovativ weiterentwickeln. Es wird insgesamt aber eine Neuordnung geben in Abstimmung mit den Häusern in Leer, Sögel und Lingen. Hier gibt es ein Strukturkonzept, das beim Land vorliegt. Es bedarf großer Investitionen, um das Haus langfristig wirtschaftlich zu führen.
Franz Bernhard Lanvermeyer: Wir sind dabei, die zurückliegenden Jahre aufzuarbeiten. Wir haben die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCooper (PwC) beauftragt, alles zu untersuchen. Wir hoffen, dass wir bis zur nächsten Gesellschafterversammlung am 15. Februar weitere Klarheit haben. Wir wollen die medizinischen Leistungen nicht nur erhalten, sondern ausbauen. Denn nur dadurch ist das Haus wirtschaftlich führbar. Es ist kein Ziel, das Haus zu schließen. Wir brauchen in Papenburg – ähnlich wie in Sögel – einen Wachstumsprozess. Wir brauchen noch mehr medizinische Qualität. Das haben wir schon auf den Weg gebracht mit der Neurochirurgie, die wir ans Haus geholt haben. Unsere Strategie ist, auf Wachstum zu setzen und ein Mehr an Qualität. Zum Zweiten brauchen wir eine bauliche Neuorientierung des Hauses, denn hier sind neue Voraussetzungen erforderlich, um das Krankenhaus wirtschaftlich zu betreiben.
Wie soll es bei den baulichen Veränderungen vorwärts gehen?
Lanvermeyer: Wir wollen im ersten Halbjahr dieses Jahres einen kleinen Wettbewerb mit etwa drei Architekten für eine Bauleitplanung machen. Wir sind mit dem Land Niedersachsen in Vorgesprächen, ob wir in die Förderung hineinkommen.
Ursprünglich angekündigt waren Investitionen in eine Intermediate-Care-Station und eine neue Kapelle. Wie sieht es damit aus?
Veer: Der Neubau der Intermediate-Care-Station ist nach wie vor in der Zielplanung und ein integraler Bestandteil der aktuellen Bauleitplanung. Hier gibt es allerdings weiteren Abstimmungsbedarf mit dem Sozialministerium in Hannover. Das ist bei solchen Projekten aber auch üblich.
Lanvermeyer: Den Neubau der Kapelle haben wir derzeit zurückgestellt. Das bedauern wir natürlich, gerade auch, weil wir ein Krankenhaus in katholischer Trägerschaft sind. Zurückgestellt bedeutet, dass der Neubau der Kapelle im Moment nicht realisiert wird, aber weiterhin auf der Agenda bleibt.
Welche weiteren Investitionen sind für das laufende Jahr und die Folgejahre vorgesehen?
Veer: Für 2012 ist der Umbau für den Bereich Neu- und Frühgeborenenstation vorgesehen. Des Weiteren ist die Ersatzbeschaffung eines Linksherzkathetermessplatzes fest eingeplant. Hierbei handelt es sich um ein medizinisches Großgerät, dessen Anschaffung auch vom Land Niedersachsen finanziell gefördert wird. Der notwendige Förderungsbescheid liegt inzwischen vor. Damit verbunden ist ein Umbau, der inhaltlich bereits mit dem Sozialministerium vorbesprochen wurde, dort aber noch in der abschließenden Prüfung ist. Grundsätzlich ist es so, dass die Investitionen für und in unser Marienkrankenhaus mit den Gesellschaftern, aber vor allem auch mit der Stadt Papenburg, dem Landkreis Emsland und dem Land Niedersachsen abgestimmt werden.
Was wird ungefähr an Investitionen insgesamt in den kommenden Jahren erforderlich sein?
Veer: Ich bitte um Verständnis, dass ich eine genaue Zahl noch nicht nennen kann. Beim Land Niedersachsen haben wir ein Strukturkonzept vorgelegt und einen Orientierungsantrag für eine Förderung in Höhe von rund zehn Millionen Euro eingereicht. Die Vorgespräche mit dem Land und der Oberfinanzdirektion als Prüfbehörde für Krankenhausplanung laufen.
Gibt es eine ungefähre Größenordnung, wie groß das Gesamtdefizit der vergangenen Jahre ist? Und wie fällt die Bilanz für 2011 aus?
Lanvermeyer: Es gibt noch keine festgestellte Bilanz für 2010 und 2011. Das Gesamtdefizit ermitteln wir noch mit den Fachleuten von PWC. Ich will es anders sagen: Wir hoffen, dass wir mit dem Papenburger Krankenhaus in drei Jahren eine schwarze Null erwirtschaften können.
Veer: Das wird ein enorm schwieriger Weg.
Blicken wir auf die Situation der Mitarbeiter. Sie sind zu Mehrarbeit und damit verbundenem Gehaltsverzicht aufgefordert worden. Wie ist der Stand der Dinge?
Bitter: Wir haben bei der zuständigen kirchenarbeitsrechtlichen Kommission beantragt, dass die Arbeitszeit um 1,5 Stunden wöchentlich erhöht wird und es für das Jahr 2012 keine Lohnsteigerung gibt. Der Antrag wurde verhandelt und eine Entscheidung auf den 28. März vertagt.
Veer: Damit können unsere Mitarbeiter mit dem gleichen Geld wie im letzten Jahr planen. Die anderthalb Stunden Mehrarbeit werden dann sinnvoll in die Reorganisationsprozesse und Projektgruppenarbeiten eingesetzt.
Bitter: Klar ist: Auf dem Weg zu einer schwarzen Null brauchen wir die Unterstützung von Stadt, Kreis und Land bei den baulichen Dingen und durch unsere Mitarbeiter weiterhin guten Einsatz und Bereitschaft zur Mehrarbeit.
Veer: Und natürlich brauchen wir bei dem Weg in eine gute Zukunft auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Wird es weiteren Stellenabbau im Krankenhaus geben?
Veer: Nachhaltiges Wirtschaften erfordert, dass die Ausgaben und Einnahmen in Einklang gebracht werden. Deswegen hat es bereits erste Personalanpassungen gegeben. Das Sanierungsgutachten von PwC wird zeigen, ob weitere Angleichungen notwendig sind. Oberste Priorität bei allen Überlegungen hat dabei die Versorgung der Patienten und die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen.
Ist eine Entscheidung gefallen, ob gegen den langjährigen Geschäftsführer Franz Josef Nienaber rechtliche Schritte eingeleitet werden? Und wie bewerten Sie aus heutiger Sicht die Zahlung einer Abfindung an ihn in nicht unerheblicher Höhe?
Lanvermeyer: Mit der Prüfung und Klärung der Vergangenheit ist ein Wirtschaftsjurist beauftragt. Im Übrigen ist es unsere Aufgabe, nach vorne zu schauen und das Marienkrankenhaus in eine sichere Zukunft zu führen, was großer Anstrengungen aller bedarf.
Welche konkreten Schritte ergreifen Sie, um die Abläufe im Krankenhaus zukünftig effizienter zu gestalten?
Bitter: Die Abläufe im Interesse der Patienten besser und effektiver zu gestalten ist eine ständige Aufgabe. Bei der Lösung wollen wir die Kompetenz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen, die tagtäglich mit den Abläufen zu tun haben. Wir haben deshalb Projektgruppen gebildet, die sich mit den einzelnen Bereichen beschäftigen und die Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Konkrete Beispiele sind die Ablaufoptimierung der zentralen Patientenaufnahme und der Notfallaufnahme oder des OP-Managements. Natürlich geht es aber auch um die Arbeitsabläufe auf den einzelnen Stationen. Wichtig bei der Projektgruppenarbeit ist, dass möglichst alle Abteilungen und Disziplinen mit eingebunden werden, also sowohl aus dem pflegerischen, aus dem ärztlich-medizinischen, aber auch von der verwaltungstechnischen Seite.
In den vergangenen Jahren war das Zusammenspiel mit den Hausärzten in der Region nicht ganz einfach. Welche Akzente werden für die Verbesserung dieser Kooperation mit den Hausärzten gesetzt?
Bitter: Auch hier gibt es ohne Zweifel Verbesserungsbedarf. Wir möchten einen offenen Dialog mit den niedergelassenen Ärzten führen, die wir als Partner verstehen. Wir haben das gemeinsame Ziel, den Menschen im nördlichen Emsland die bestmögliche medizinische Versorgung zu bieten. Man muss sich kennen, man muss miteinander reden, das ist ganz wichtig. Deshalb haben wir schon im Herbst die niedergelassenen Ärzte zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen. Konkret geplant sind zudem Besuche und Gespräche der Krankenhausleitung mit den niedergelassenen Ärzten.
Bei den Reaktionen rund um die Frühgeborenen-Versorgung gab es im Internet auch Vorwürfe an das Krankenhaus, dass wochenlang wichtige medizinische Geräte, zum Beispiel im Bereich der Kardiologie, ausgefallen sein sollen. Patienten mit einem schweren Herzinfarkt sollen sowohl im Dezember als auch in der vergangenen Woche nach Leer verlegt worden sein, weil die Geräte defekt seien. Was sagen Sie zu solchen Anwürfen?
Bitter: Ich habe auch von diesen Vorwürfen gehört und bin ihnen nachgegangen, denn wenn es so wäre, wie im Internet beschrieben, wäre das eine fatale Situation für unser Krankenhaus, aber insbesondere auch natürlich für die Bevölkerung. Es hat keine wochenlangen Ausfälle von medizinischen Geräten gegeben. Was es gegeben hat und immer wieder geben wird, sind zum Beispiel Wartungsarbeiten an medizintechnischen Geräten, die in bestimmten Intervallen erfolgen müssen. Während dieser Zeit steht das jeweilige Gerät natürlich nicht zur Verfügung. Dann ist es selbstverständlich so, dass Patientinnen und Patienten, die gerade auf dieses Gerät angewiesen sind, in andere Krankenhäuser verlegt und dort behandelt werden. Das ist aber ganz normal.
Eine Herausforderung ist auch das Image des Marienkrankenhauses in der Bevölkerung. Wie wird die Krankenhausleitung an der Verbesserung des Images arbeiten?
Bitter: Hier sprechen Sie einen ganz wichtigen Bereich für unsere Arbeit an. Wir werden noch mehr miteinander reden, Probleme und Lösungsmöglichkeiten intensiver diskutieren und nach innen wie auch nach außen kommunizieren müssen.
Lanvermeyer: Sowohl unsere Mitarbeiter, aber auch die Bevölkerung haben ein hohes Interesse daran, wie es mit dem Marienkrankenhaus weitergeht. Wie wichtig den Menschen hier in Papenburg und den umliegenden Gemeinden ihr Krankenhaus ist, haben gerade die vergangenen Wochen in sehr anschaulicher Weise gezeigt.
Veer: Das Image eines Krankenhauses wird aber auch wesentlich von der Qualität unserer medizinischen Leistungen und den räumlichen Gegebenheiten beeinflusst. Deshalb werden wir alles versuchen, die vakanten Arztstellen zu besetzen, qualifiziertes Pflegepersonal zu halten und die notwendigen Investitionen zu realisieren.
Zeichnet sich eine Lösung für das Parkplatzproblem rund um das Krankenhaus ab, an dem bekanntlich seit Jahren erfolglos gearbeitet wurde?
Bitter: Das Parkplatzproblem ist sehr ärgerlich, insbesondere für die Besucher des Krankenhauses, aber auch für unsere Mitarbeiter. Zur Lösung des Problems gibt es konkrete Ideen, zu denen ich mich jetzt noch nicht äußern möchte, weil zunächst weitergehende Gespräche mit der Stadt Papenburg notwendig sind. Allerdings kann ich sagen, dass eine kurzfristige Lösung nicht absehbar ist und auch nicht in Aussicht gestellt werden kann.
Sie haben gerade von einem Strukturkonzept für die Häuser des Klinikverbundes gesprochen. Das Krankenhaus in Meppen, das mitten zwischen ihrem Klinikverbund liegt, ist kein Mitglied des Verbundes. Planen Sie, Meppen in diese Strukturen einzubinden und eine Gesamtlösung für das Emsland und Leer zu finden?
Lanvermeyer: Wir sind in ersten Gesprächen. Es wird im Laufe dieses Jahres weitere Gespräche geben.

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Vier Häuser in einem Klinikverbund vereint

Seit dem vergangenen Jahr haben sich nach der finanziellen Schieflage des Marienkrankenhauses insgesamt vier katholische Krankenhäuser im Emsland und Ostfriesland zu einem Klinikverbund zusammengeschlossen.
Den Anfang machte vor rund zehn Jahren eine Zusammenarbeit der Kliniken in Lingen und Sögel. Der Trägerverein der Lingener Klinik, St.-Bonifatius-Hospital e.V., beteiligte sich zu 50 Prozent an dem bis dato reinen Kreiskrankenhaus in Sögel.
2010 kam es dann zu einer Kooperation zwischen dem Papenburger Marienkrankenhaus und dem Borromäus-Hospital in Leer unter dem Dach einer Holding mit dem Namen Christliche Kliniken Ems-Leda.
Das finanzielle Desaster des Papenburger Hauses führt zum Ende dieser Holding.
Um das Papenburter Haus Mitte 2011 vor dem Kollaps zu retten, beteiligte sich dann der Trägerverein aus Lingen auch zu 50 Prozent an der Marienkrankenhaus Papenburg-Aschendorf GmbH.
Im Laufe des Jahres 2011 wurde dann der Dreier-Verbund noch einmal erweitert. Auf Initiative des Bistums schloss sich das Borromäus-Hospital der Kooperation der nun insgesamt vier rechtlich weiterhin selbstständigen Häuser an.
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