FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 02.02.2012:

DRK plant Haus für Demenzkranke

Lingener Tagespost - Lokales

Lingen. Die Stadt Lingen hat im Emsauenpark ein rund 7000 Quadratmeter großes Grundstück nördlich des ehemaligen Unteroffiziersheims (zukünftiges Haus der Vereine) auf Beschluss des Rates in nicht-öffentlicher Sitzung vorläufig aus der Vermarktung herausgenommen. Hintergrund ist der Ende Dezember 2011 vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) an die Verwaltung herangetragene Wunsch, dort ein Heim für Demenzkranke mit rund 70 Plätzen zu errichten (siehe Bericht auf dieser Seite).

Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigten Oberbürgermeister Dieter Krone und Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring am Mittwoch auf Anfrage der LT. „Wir können uns eine solche Einrichtung an dieser Stelle sehr gut vorstellen“, sagte Krone unter Hinweis auf die zunehmende Bedeutung der Pflege von Demenzkranken in einer sich verändernden Gesellschaft. Es gebe allerdings noch keinerlei konkrete Planungen seitens des DRK. Sobald diese vorlägen, werde die Verwaltung darüber informieren. Zudem sei dann auch eine Bürgerversammlung vorgesehen.

Auf der zur Diskussion stehenden Fläche war zunächst eine Reihenhausbebauung vorgesehen. Dazu kann es nach Angaben der Verwaltung immer noch kommen, wenn das DRK seine Planung zurückziehe. Derzeit laufen die Bewerbungen für interessierte Häuslebauer auf Hochtouren. Die ersten Vergabeveranstaltungen sollen im Mai stattfinden.

Als „undemokratisch“ haben unterdessen Robert Koop, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen (BN), und sein Ratskollege Alfred Storm das Verhalten der Mehrheitsfraktion im Verlauf der letzten Ratssitzung bewertet. Gegenstand des Unmuts war der mögliche Verkauf des Grundstücks im Emsauenpark an den DRK-Kreisverband. Koop: „Von dem beabsichtigten Verkauf haben die BN erst durch die Vorlage vom 12. Januar für die Beratungen im Wirtschafts- und Grundstücksausschuss am 24. Januar und in der Ratssitzung am 26. Januar im jeweils nicht öffentlichen Teil erfahren. Wir hatten also nur zwölf Tage Beratungszeit, was uns für diese hochsensible Angelegenheit zu wenig war.“

Die BN hätten sich gerne durch die Verwaltung sowie das DRK in Sachen Heimkonzept näher beraten lassen, was durch die Kürze der Zeit leider nicht möglich gewesen sei. Obwohl die BN in beiden Sitzungen darum gebeten hätten, diesen Punkt zu verschieben, weil noch Beratungsbedarf gegeben sei, habe man sich mehrheitlich gegen diese Bitte entschieden. Koop: „Wir haben nach der Sitzung mit dem DRK gesprochen und gehört, dass hier keine Eile herrsche.“

Die Bürgernahen hätten sich gefragt, warum man diesen Punkt auf „Biegen und Brechen“ verabschieden wollte. Koop: „Soweit ich mich erinnern kann, hat es ein solches Verhalten in meiner jetzt 30-jährigen Ratsarbeit noch nicht gegeben.“

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Kommentar: Transparenz hat gefehlt

Eines vorweg: Die Frage, ob ein Wohnheim für Demenzkranke im künftigen Emsauenpark der Stadt Lingen gut platziert ist oder nicht, kann in diesem Frühstadium der Planung weder mit Ja noch mit Nein beantwortet werden. Sicher ist, dass es einer Stadt von der Größe Lingens gut zu Gesicht stehen würde, in verstärktem Maße auch jenen Menschen in ihrer Mitte einen Raum zur Orientierung zu geben, die genau diese Orientierung verloren haben. Und wenn Betroffene nicht an den Rand gedrängt werden sollen, gehören sie eher in bewohntes Gebiet als an die Peripherie der Stadt.

Unverständlich ist aber, warum die Verwaltung nicht von sich aus das Vorhaben des DRK-Kreisverbandes Emsland und eine mögliche Realisierung im Emsauenpark thematisiert hat. Auch wenn die Stadt im jetzigen Planungsstadium noch keine Details mitteilen kann, hätte sie letzte Woche im Fachausschuss oder während der Sitzung des Stadtrates im öffentlichen Teil kurz auf das Projekt hinweisen können. Angesichts der offensiven Vermarktung des Emsauenparks in den vergangenen Wochen, verbunden mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit der Verwaltung, wirkt die Zurückhaltung im vorliegenden Fall befremdlich. Transparenz sieht jedenfalls anders aus.


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Heimbewohner sollen sich sicher fühlen
Hövelmann: Planung läuft jetzt erst an
bm Lingen. Der Kreisverband Emsland des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) plant ein Heim für demenzkranke Menschen mit bis zu 70 Wohneinheiten im Emsauenpark in Lingen. Das bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung DRK-Geschäftsführer Thomas Hövelmann.
„Es ist bisher nur eine Idee. Deswegen herrscht bei uns in Sachen Umsetzung auch keine große Eile“, erklärte Hövelmann. Ende 2011 sei man mit dem geplanten Vorhaben an die Stadt herangetreten und auf eine positive Resonanz gestoßen. „Der Bedarf ist da, und er wird noch größer werden“, prognostizierte der Geschäftsführer anhand einer Studie.
Jetzt werde man in die Planungen eintreten und prüfen, ob man ein solches Haus mit oder ohne Küche sowie mit oder ohne Wäscherei realisieren könne. Alle diese Überlegungen unterlägen natürlich auch einer Wirtschaftlichkeitsprüfung, betonte Hövelmann ergänzend.
Sobald diese Überlegungen abgeschlossen seien, würde die Planung dem Vorstand und den Mitgliedern des DRK vorgestellt. Sollten diese insgesamt zu einem positiven Ergebnis gelangen, könne man die Öffentlichkeit mit in das geplante Vorhaben einbeziehen.
„Wir wollen dieses Haus bewusst in eine funktionierende Nachbarschaft inte-
grieren, weil die Zeiten, in denen demenzkranke Menschen womöglich isoliert wurden, vorbei sind“, so Hövelmann. Stattdessen werde man hier, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Wohngruppen einrichten. „Die Kranken sollen sich sicher fühlen und keine Angst vor ihrem Umfeld haben“, betonte der DRK-Geschäftsführer. Dadurch würden sie ruhiger und weniger aufgeregt.
Fahrt nach Holtland
Vor diesem Hintergrund erläuterte Hövelmann, dass man auch noch nach Holtland (Landkreis Leer) fahren wolle, um sich ein solches bereits bestehendes Heim in einer Wohnsiedlung einmal anzusehen. „Nach allem, was wir gehört haben, kommen die ganz prima miteinander klar.“ Daneben werde eine Abordnung des DRK auch in die benachbarten Niederlande fahren, weil man dort „schon viel weiter ist“. Hövelmann: „Wir erhoffen uns hier neue Ideen.“ Abschließend erklärte der Geschäftsführer, dass das DRK auch mit einem anderen Grundstück zufrieden wäre. Es sollte allerdings in seine Umgebung integriert sein, betonte er.
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