FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 22.08.2011:

In Werlte entsteht erste Großanlage für die Umwandlung von überschüssigem Windstrom in Gas

Lingener Tagespost - Kreis Emsland
hjh Werlte. Es ist Zukunftsmusik, Dr. Reiner Mangold vom Autobauer Audi nennt es eine Vision: die klimaneutrale Mobilität. Auf dem Weg dahin führt eine wichtige Station über die Gemeinde Werlte. Hier wird die weltweit erste Großanlage errichtet, die überschüssigen Windstrom in synthetisches Erdgas umwandelt (wir berichteten). Mit dem Gas sollen letztlich Autos angetrieben werden und damit CO 2 -neutral unterwegs sein. Was genau sich hinter der Investition im zweistelligen Millionenbereich verbirgt, haben die Projektpartner am Samstag während einer öffentlichen Informationsveranstaltung rund 300 Interessierten vorgestellt.
Demnach ist vorgesehen, dass die Anlage auf dem Gelände der Biogasanlage der EWE in Werlte an der Loruper Straße errichtet wird. Laut Wolfgang Meyer, Projektleiter der Firma SolarFuel aus Stuttgart, ist die Konzeptionsphase abgeschlossen, und gemeinsam mit den genehmigenden Behörden ist ein Fahrplan für den Bau und das Genehmigungsverfahren entworfen worden. Läuft alles nach Plan, ist im Mai 2012 Grundsteinlegung, und im April 2013 startet der Probebetrieb der 6,3 Megawatt-Anlage, die pro Jahr rund 1000 Tonnen „e-gas“, also Methan, herstellen wird.
Als Rohstoffe dienen dazu laut Audi-Projektleiter Mangold 4600 Tonnen Wasser und rund 2800 Tonnen CO 2 aus der Biogasanlage. Das Wasser wird gespalten in Sauerstoff und Wasserstoff, das Kohlenstoffdioxid in Kohlenstoff und Sauerstoff. Anschließend werden Wasserstoff und Kohlenstoff zu Methan reagieren. Der Sauerstoff indes wird an die Umwelt abgegeben. „Der anfallende Sauerstoff entspricht der Jahresleistung von rund 2000 Bäumen“, ordnete Mangold diesen Aspekt als ebenfalls klimafreundlich ein.
Die neue Anlage soll laut Mangold einen Beitrag dazu leisten, Techniken zu erproben, um Strom zu speichern. Sie produziere synthetisches Erdgas und ermögliche zudem auch die Gewinnung von Wasserstoff. Für dieses Verfahren werde überschüssiger Windstrom verwendet. Die große Herausforderung sei daher auch, die Anlage so flexibel zu gestalten, dass „sie innerhalb von fünf Minuten herauf- oder auch heruntergefahren werden kann, je nach überschüssig anfallendem Windstrom“.
Mit Windstrom vor allem von den Anlagen in der Nordsee rechnet Mangold fest. Die wissenschaftlichen Vorausschauen hätten unter anderem ergeben, dass trotz der geplanten Ausbaumaßnahmen am Stromnetz bis 2020 vor allem an Knotenpunkten in Norddeutschland der Strom schon recht bald nicht mehr in der anfallenden Menge durchgeleitet werden könne.
Die Entscheidung für den Standort Werlte begründete Mangold mit der Nähe zur Produktionsstätte des Windstroms, einer dort vorhandenen Quelle für Kohlenstoffdioxid, die keine „Tank-Teller-Diskussion“ bringe, und der EWE als „verlässlichem Partner“. Die bringt insbesondere ihre Biogasanlage ein, die laut deren Leiter Thomas Götze je zur Hälfte mit Abfällen aus der Lebensmittelindustrie und Gülle betrieben wird. Er betonte, dass der Betrieb der Anlage in Art und Umfang unverändert weitergehe. Auf die Frage nach dem Gefährdungspotenzial durch den Umgang mit Wasserstoff unterstrichen die Verantwortlichen, dass dieses nicht höher sei als im Umgang mit Erdgas. Zudem sei Wasserstoff lediglich ein Zwischenprodukt, das daher nicht in größeren Mengen vorhanden sei.
Ludwig Kohnen, Leiter der EWE-Geschäftsregion, betonte, dass das Vorhaben von Audi gut zu EWE passe, da gerade das Zwischenspeichern von Strom auch ein wichtiges Thema für Energieversorger sei.
In die Region gehorcht
Für Landrat Hermann Bröring hat Audi mit der Standortentscheidung für Werlte genau das Richtige getan, nämlich gemäß seines Namens Audi (lateinisch: horch) offenbar in die Region gehorcht. „Es konnte dabei nur Werlte herauskommen.“ Mit Blick auf die bisher im Landkreis geleistete Arbeit für den Klimaschutz betonte Bröring: „Wir lösen Klimaschutzprobleme nicht am Stammtisch, sondern indem wir viele kleine Bausteine aneinanderreihen.“ Er verwies dazu unter anderem auf den CO 2 -Zertifikatehandel für private Haushalte, 650 Megawatt installierter Leistung aus Windkraft sowie das 3N-Kompetenzzentrum und das angegliederte Klimacenter in Werlte.
Werltes Bürgermeister Willfried Lübs sprach von einem zukunftsweisenden Vorhaben und sicherte zu: „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um dieses Projekt zu unterstützen.“
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