FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 28.06.2011:

Bombenfund sorgte bei Senioren für viel Aufregung - Evakuierte Bürger wurden in der Berufsschule professionell betreut

Lingener Tagespost - Lokales vom 28.06.2011
Lingen. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben.“ Helga Kammstieas spricht es aus, und die anderen Damen aus der Anlage für Betreutes Wohnen in der Synagogenstraße nicken zustimmend. Sie gehören am Montagnachmittag zu insgesamt 56 Personen, die wegen der Bombenentschärfung aus der Lingener Innenstadt evakuiert werden mussten und in der Aula der Berufsbildenden Schulen (BBS) eine vorübergehende Bleibe gefunden haben.
„Wir hatten gar nicht mitbekommen, was da los war“, berichtet sie weiter. Lautsprecherdurchsagen der Polizei hatte keine der Damen vernommen. Erst durch den Anruf einer Freundin wurde die Seniorin auf die Ereignisse in ihrer nächsten Nachbarschaft aufmerksam.
Nach Recherchen im Internet und Videotext bestätigte auch deren Tochter, dass eine Evakuierung anstand. „Weil ich nicht wusste, was ich machen sollte, habe ich erst mal die Polizei angerufen“, so Kammstieas weiter. Die habe dann veranlasst, dass sie abgeholt wurde.
Über die Situation in den BBS macht sich auch der Leitende Polizeidirektor der Polizeiinspektion Emsland/ Grafschaft Bentheim, Karl-Heinz Brüggemann, vor Ort ein Bild. „Sie kenne ich schon aus der Zeitung“, wird er freudig von einer Seniorin begrüßt.
Brüggemann zieht von dem Einsatz ein positives Fazit: „Alles ist gut organisiert und läuft in ruhigen Bahnen ab.“ Auch der Erste Stadtrat Dr. Ralf Büring informiert sich vor Ort über den Stand der Dinge und zeigt sich zuversichtlich, dass die Evakuierten bis zum Abend wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. Damit sollte er recht behalten.
Auch Personen, die medizinisch betreut werden mussten, werden gut versorgt. Für sie ist der Sanitätsbereich der Schule vorbereitet und mit Dr. Wolfgang Hagemann der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes anwesend.
Insgesamt seien rund 40 ehrenamtliche Helfer des DRK und 15 Fahrzeuge in und rund um die BBS im Einsatz, nennt der Kreisgeschäftsführer des DRK, Thomas Hövelmann, beeindruckende Zahlen. Viele Helfer seien während ihrer Arbeitszeit per SMS benachrichtigt worden und unmittelbar zum Einsatzort geeilt.
Am Montagnachmittag sieht die Lingener Innenstadt, wo vor allem in der Looken- und Marienstraße das Einkaufsleben pulsiert, wie ausgestorben aus. Die Polizei hat alles abgesperrt. Gegen 17.30 Uhr gibt die Einsatzleitung das Zeichen, das die Entschärfung der Bombe beginnen kann. Doch der Zustand des explosiven Metalls lässt dies nicht zu. Mit aller Vorsicht wird die Bombe zwischen 18 und 18.30 Uhr über die Lindenstraße und Nordlohner Straße zum ehemaligen Truppenübungsplatz nach Wietmarschen-Lohne abtransportiert. Wie Polizeisprecher Achim van Remmerden mitteilt, erfolgt die Sprengung im Bereich Nordlohner Straße/Zum Lohner Sand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Zuvor werde ein metertiefes Loch gegraben.
Damit ist die Evakuierung aufgehoben. Zumindest in der Innenstadt können die Bürger zu dieser Zeit wieder aufatmen. Sie dürfen wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurück. Und damit auch Helga Kammstieas und die weiteren Bewohner der Seniorenanlage an der Synagogenstraße. DRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Hövelmann und sein Team sorgen für eine reibungslose Rückfahrt. Die alten Herrschaften sind natürlich froh, dass alles vorbei ist.
Das ist auch die Stadt. Um 19.50 Uhr die Nachricht: Die Bombe ist gesprengt.

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Lingener Tagespost Kreis Emsland

Lingen. Sprengmeister Oltmann Harms vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen hatte es wahrscheinlich schon geahnt. „Der Zünder ist ziemlich vergammelt und eingebrannt“, beschrieb der Spezialist am Montagnachmittag gegenüber unserer Zeitung den Zustand der amerikanischen Fünf-Zentner-Bombe.
Die hatte seit den Morgenstunden die Stadt in Atem gehalten. Und das bis in den Abend hinein, denn eine Entschärfung der Bombe erwies sich als unmöglich.
Eine kontrollierte Sprengung auf einem ehemaligen Gelände der Bundeswehr ein paar Kilometer stadtauswärts war die einzige Alternative. Bauarbeiter hatten die Bombe bei Baggerarbeiten im Bereich der Lindenstraße/Alte Rheiner Straße entdeckt und sofort die Polizei alarmiert. Sie stammt vermutlich von einem alliierten Luftangriff 1944. Vorrangiges Ziel damals: die Eisenbahnausbesserungshallen an der Kaiserstraße.
Die Polizei sperrte das Gebiet umgehend weiträumig ab. In den umliegenden Straßen entstanden sofort Staus, da die Lindenstraße stadtein- und -auswärts eine stark frequentierte Straße ist.
Rund um den Bombenfund am Kreisverkehr wurde ab 14 Uhr in einem Radius von 300 Metern mit der Evakuierung von Bürgern begonnen. In Richtung Lindenstraße wurde die Evakuierungszone auf 1000 Meter ausgedehnt. Die Innenstadt im Bereich der Lookenstraße/Konrad-Adenauer-Ring war ab 14 Uhr wie leer gefegt. Etwa 3000 Bürger in der Stadt waren von den Absperrungen betroffen, darunter rund 600 unmittelbar, da sie ihre Wohnungen verlassen mussten bzw. nicht betreten konnten.
Die Stadt hatte in den Berufsbildenden Schulen eine Anlaufstelle für betroffene Anwohner eingerichtet. Vertreter der Hilfswerke kümmerten sich dort um die Menschen.
Sprengmeister Harms, der in Lingen im Einsatz war, ist ein „alter Hase“ im Umgang mit den gefährlichen Überbleibseln aus dem Krieg. Er war unter anderem auch schon in Osnabrück im Einsatz.
Harms begann gegen 17.30 Uhr mit der Entschärfung. Es erwies sich jedoch als unmöglich, den Zünder unschädlich zu machen. Die Bombe wurde daraufhin zum ehemaligen Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Wietmarschen-Lohne transportiert. Um 19.45 Uhr dann die endgültige Entwarnung. Die Spezialisten sprengten die Bombe.
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