FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 01.06.2011:

Supritz ist weg, und Wiedorn geht - In der Lingener SPD rumort es kräftig

Lingener Tagespost - Lokales
Lingen. Im Ortsverein der Lingener SPD rumort es kräftig. Peter Supritz hat am Dienstag seinen Austritt aus der Partei und seinen Wechsel zu den Grünen bekannt gegeben. Doch damit nicht genug: Hajo Wiedorn, langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender, wirft das Handtuch. Der 69-Jährige kandidiert bei der Kommunalwahl am 11. September nicht mehr.
„Ich werde mich im September nicht mehr zur Wahl stellen, weil mir der Vorstand nur noch den Platz 7 auf der Wahlliste angeboten hat. Das ist die absichtlich gewollte Demontage des amtierenden Fraktionsvorsitzenden“, erboste sich Wiedorn, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung.
Noch vor einem Jahr habe man ihn im Rahmen seines 25-jährigen Jubiläums als Fraktionsvorsitzender über den grünen Klee gelobt – und jetzt das. Dies lasse er nicht mit sich machen, betonte der Fraktionschef. „Eigentlich habe ich mir vor fünf Jahren gesagt, dass das meine letzte Amtsperiode sein sollte“, erklärte der 69-Jährige. „Dann ist man seitens der Partei im Herbst vergangenen Jahres an mich herangetreten und hat gesagt: Wir brauchen dich,“ erläuterte Wiedorn rückblickend. „Und ein Teil dieser Leute, die mich im Herbst gebeten haben weiterzumachen, sind die Gleichen, die jetzt diese Demontage betrieben haben.“
„Aus dem Untergrund“
„Bezeichnend“ sei zudem, dass man diese „Arbeit aus dem Untergrund“ in den vergangenen Wochen betrieben habe. „Ich kann kaum gehen, weil ich mir die Achillessehne abgerissen habe“, betonte Wiedorn. Klar, dass man deshalb nicht so agieren könne, wie man wolle.
Auf die Frage, ob auch er nun auch aus der SPD austreten wolle, antwortete Wiedorn mit einem klaren: „Nein. Ich bin seit fast 50 Jahren Sozialdemokrat, und diese Leute, die das hintertrieben haben, sind nicht die SPD.“
Aber, und auch daraus machte der Fraktionschef keinen Hehl, „habe ich mir meinen Abgang anders vorgestellt. Dennoch bin ich erleichtert, dass das vorbei ist. So etwas zerrt doch mächtig an den Nerven“, erklärte Wiedorn abschließend.
In einer kurzen Erklärung hatte Peter Supritz am Dienstag seinen Austritt aus der SPD und seinen Wechsel zu Bündnis 90/Die Grünen erklärt. Supritz: „Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, meine Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mit sofortiger Wirkung zu beenden. Gleichzeitig endet damit meine Zugehörigkeit zu der SPD-Ratsfraktion der Stadt Lingen. Künftig werde ich mich der Ratsfraktion der Partei Bündnis 90/Die Grünen in Lingen anschließen und dort mein Mandat bis zum Ablauf der Legislaturperiode weiter wahrnehmen.“
Die Grünen in Lingen freuen sich: „Wir haben Peter Supritz in den letzten Jahren als einen informierten und engagierten Mitstreiter kennen- und schätzen gelernt“, heißt es in einer Erklärung.

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Kommentar der Lingener Tagespost:

Zum Schaden der Stadt
Der Lingener SPD-Ortsverein demontiert sich weiter – zum Schaden der Partei, aber auch zum Schaden der Stadt Lingen. Denn die braucht eine Opposition im Rat, die den politischen Gegner bei der Mehrheitsfraktion sieht – und nicht in den eigenen Reihen. Der Parteiaustritt von Peter Supritz und die Entscheidung von Hajo Wiedorn, am 11. September nicht mehr anzutreten, sind ein deutlicher Beleg dafür, dass die Chemie bei den Genossen schon lange nicht mehr stimmt. Wenn Supritz eine neue politische Heimat bei den Grünen sucht, hat dies nicht nur mit inhaltlichen Übereinstimmungen zu tun. Womöglich „menschelt“ es dort mehr, ein wichtiges Kriterium für jemanden, der Politik nicht zum Broterwerb betreibt, sondern ehrenamtlich. Und was Hajo Wiedorn anbelangt: Es ist sicher richtig, wenn die Partei auf jüngere Kandidaten setzen möchte, um bei der Kommunalwahl zu punkten. Aber nicht um den Preis, dabei die Erfahrenen zu verprellen. Der 69-Jährige hat jahrelang den Fraktionskarren gezogen. Ihn so abzuservieren ist bezeichnet für das Innenleben der Partei. „Sozial“ steht im Lateinischen für „socius“, „gemeinsam“. Das sollte auch wieder für die Lingener SPD gelten.
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