FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 27.11.2010:

Umweltausschuss will Jagdverbote lockern

Lingener Tagespost - Landkreis Emsland
Verordnung für Naturschutzgebiet Brualer Hammrich soll geändert werden - Bröring: Wogen stehen hoch

hjh Meppen/Rhede. Die Sitzung des Kreistagsausschusses für Umwelt und Natur am Donnerstag in Meppen hat eine ungewöhnliche Wendung genommen. Praktisch in letzter Minute entschärfte die Verwaltung die im Verordnungsentwurf für das geplante 175 Hektar große Naturschutzgebiet (NSG) Brualer Hammrich vorgesehenen Beschränkungen der Jagd. Das ging der CDU-Fraktion aber nicht weit genug. Sie setzte zwei weitere Änderungen zugunsten der Bejagbarkeit des Areals durch - Änderungen, die im Ausschuss fraktionsübergreifend Zustimmung fanden.
Worum geht es? Auf der Tagesordnung stand die Beschlussempfehlung, das Areal „Brualer Hammrich“ als Naturschutzgebiet auszuweisen. Der Verordnungsentwurf hat mit seinen Einschränkungen für die Jagd in diesem Gebiet nach Darstellung von Landrat Hermann Bröring dafür gesorgt, dass in den vergangenen 14 Tagen beim Thema Jagd „die Wogen vor Ort recht hoch“ standen. Das auch wegen der inhaltsgleichen Entwürfe für die beiden Landschaftsschutzgebiete „Tunxdorf-Nenndorf-Rhede/Brook“ und „Rhede-Flaar“.
Im Zentrum der Kritik stand die Regelung, dass im Schutzgebiet zwischen „Einzel- und Gesellschaftsjagden“ in der Zeit vom 1. November bis 15. Januar mindestens 14 Tage ohne Jagdausübung verstreichen müssen. Ausnahme: Die Bejagung von Raubwild, Raubzeug und Schalenwild von Ansitzeinrichtungen. Eine Vorgabe, die speziell im Gebiet Tunxdorf-Nenndorf-Rhede/Brook aus Sicht der Jäger die Bedingungen unzumutbar erschwert hätte, denn gleich vier Reviere werden von diesem Gebiet berührt.
Angesichts der Kritik an dieser Regelung gestand Bröring ein: „Asche auf das Haupt der Verwaltung. Die Formulierung im Entwurf konnte zu allen Spekulationen Anlass geben.“ Daher schlug der Landrat vor, für mehr Präzision zu sorgen, indem die 14-Tage-Regelung „je Jagdbezirk“ Anwendung finden solle.
Das CDU-Ausschussmitglied Arno Fillies forderte indes unter anderem, die Einzeljagd ohne Einschränkung weiter zu ermöglichen. Zudem beantragte er, dass erst im Kreisausschuss die Empfehlung an den Kreistag beschlossen werden soll. „Alle sollen diese Änderungen noch mitdiskutieren können.“ Dieser Auffassung folgten auch die anderen Fraktionen. Zugleich votierte der Ausschuss einstimmig dafür, auf Wunsch der Landwirtschaft für die Gebiete „Tunxdorf-Nenndorf-Rhede/ Brook“ und „Rhede-Flaar“ nicht weiter die Ausweisung als NSG zu verfolgen, sondern diese neu ins Verfahren zu geben. Diesmal mit dem Ziel, Landschaftsschutzgebiete auszuweisen. In deren Verordnungsentwürfe sollen die Änderungen bereits eingebaut werden.
Hermann Schwarte (CDU) und Heinrich Ganseforth (FDP) drängten indes darauf, die Belange der Landwirtschaft stärker zu beachten. Schwarte: „Die Landwirte sind auf intensives Grünland angewiesen.“ Er kritisierte, dass für die Erneuerung von Grünland durch Umbruch der alten Narbe künftig eine Genehmigung erforderlich sei, für die dann womöglich auch noch gezahlt werden müsse. Landrat Bröring ließ erkennen, dass das aber nicht der geplant sei.
Ganseforth indes kritisierte, dass für Aussiedlerhöfe nun die Gefahr bestehe, dass deren Entwicklungsmöglichkeiten durch die sie umfassenden Schutzgebiete beeinträchtigt würden.

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Kommentar
Dreifach denkwürdig
Von Hermann Hinrichs - Die Sitzung des Umweltausschusses war gleich in dreifacher Hinsicht eine denkwürdige.
Erstens: Der Landkreis hat bewiesen, dass er weiter zu seinem Wort steht. Die Landwirtschaft kann darüber entscheiden, ob ein Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden soll. Zweitens: Auch die Kreisverwaltung ist in der Lage, Fehler öffentlich einzugestehen und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Drittens: Vom häufig behaupteten Abnicken von Verwaltungsvorlagen durch die Kreistagsabgeordneten war im Ausschuss nichts zu sehen. Sie haben bewiesen, dass sie das Heft des Handelns in den Händen halten. Landrat Hermann Bröring zeigte indes ein gutes Gespür für die Stimmungslage in seiner Fraktion. Trotz anfänglicher Ankündigung hat er die Diskussion über den spontanen Änderungsantrag zur Einzeljagd kaum mehr geführt. Er hätte wohl auch auf Granit gebissen.
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