FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 20.03.2010:

Bürger sollen Patenschaften für neue „Stolpersteine“ übernehmen

Lingener Tagespost - Landkreis Emsland
lj Lingen. 98 Menschen jüdischen Glaubens lebten in den Dreißigerjahren in Lingen. Etwa die Hälfte von ihnen wurden Opfer des Holocaust.
Auf Initiative des Lingener Sozialdemokraten Gerhard Kastein verlegte am 26. April 2005 der Kölner Künstler Gunter Demnig im Beisein vieler Bürger in Lingen zwölf „Stolpersteine“ zur Erinnerung an jüdische Bürger in das Straßenpflaster vor den Häusern, in denen sie wohnten. Nach dem Willen des Kulturausschusses sollen weitere Steine mit den Namen jüdischer Opfer eingelassen werden. Für die Weiterführung des Projekts werden 3000 Euro in den Haushalt 2010 eingestellt. Dies hatten die Grünen beantragt. Der Ausschuss beauftragte das Stadtarchiv mit dem Vorhaben.
Anne Scherger, die seit vielen Jahren die Geschichte der jüdischen Familien in Lingen erforscht, würde sich freuen, wenn die Erinnerung an folgende jüdische Bürgerinnen und Bürger mithilfe der Stolpersteine aufrechterhalten werden könnte: Bendix, Marianne und Gerda Grünberg; Neumann, Elisa und Caroline Okunski; Max, Else, Eduard, Alfred und Bernhard Cohen; Rosa Wolf, geb. Hanauer, sowie Siegfried und Siegmund Hanauer; Fredy und Hermann Markreich, Hermann Silbermann; Bernhardine Zadoks und Georgine de Wilde (beide geb. Frank); Berta Zadick und Erna Wurms (beide geb. Markreich) sowie Julia und Andreas Os, die in der Östlichen Stadtflur wohnten.
Gerhard Kastein erinnert sich, wie er seinerzeit zufällig auf die Aktion „Stolpersteine“ stieß. „Mir fiel im Jahr 2002 ein Zeitschriften-Beitrag in die Hände, in dem über den Künstler Gunter Demnig und sein Projekt ‚Stolpersteine‘ berichtet wird.“ Die SPD habe dann einen entsprechenden Antrag im Kulturausschuss eingebracht, den die CDU-Mehrheitsfraktion mit der Begründung abgelehnt habe, dass es in Lingen schon genug Gedenkorte dieser Art gebe.
Kastein: „Nun entschied sich die SPD-Fraktion, das Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Die Kontakte mit dem Künstler wurden geknüpft, die Plätze für die ersten Steine in einem historischen Stadtplan von 1933 festgelegt, und am 9. August 2004 fand eine öffentliche Vorstellung für Lingens Bürger statt. Die rege Teilnahme ließ uns das Projekt ‚Stolpersteine‘ möglich erscheinen.“ Gunter Demnig kam nach Lingen, mauerte die Erinnerungssteine ein und hielt einen Vortrag über das Projekt. Mittlerweile gibt es „Stolpersteine“ in vielen deutschen Städten. Das Projekt gilt als weltweit größtes dezentrales Mahnmal.
Von ihrer ursprünglich ablehnenden Haltung will die CDU-Fraktion jetzt nichts mehr wissen. Im Gegenteil. „Wir begrüßen es sehr, die Stolperstein-Aktion fortzusetzen, und halten dies für einen wichtigen und wertvollen Beitrag des Erinnerns und Gedenkens an das Schicksal der Opfer in der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Zeit“, schreiben die Vorsitzende des Kulturausschusses, Irene Vehring, und CDU-Ratsherr Björn Roth in einer gemeinsamen Erklärung.
Nach ihrer Ansicht ist die Einbindung lokaler Gruppen und Persönlichkeiten notwendig. Sie nannten das Forum Ju- den-Christen, Pax Christi, den Heimatverein, das Stadtarchiv, die Schulen, Gerhard Kastein und natürlich Anne Scherger. „Die Bürgerschaft insgesamt sollte sich mit der Aktion identifizieren und nach Möglichkeit auch selbst einen Anteil dazu leisten – auch in Form von Sponsoring für die Finanzierung der Stolpersteine.“
Die CDU habe angeregt, den städtischen Zuschuss vor allem für eine schriftliche Dokumentation der Stolpersteine-Standorte zu verwenden, heißt es weiter. Vorbild für eine derartige Publikation könne das Heft „Euer Name lebt – Stolpersteine in Meppen“ sein.
Volle Unterstützung für die Aktion signalisierte auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Hajo Wiedorn. Er trat dafür ein, für alle früheren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger einen Gedenkstein zu verlegen. „Vielleicht gibt es auch jetzt wieder Menschen in Lingen, die mit einer Spende zur weiteren Realisierung dieser vorbildlichen Idee beitragen.“
Wiedorn erinnerte daran, dass sich Kastein seinerzeit durch den Misserfolg im Kulturausschuss nicht entmutigen ließ und durch das Einwerben von Spenden das Verlegen von zwölf Stolpersteinen ermöglichte.
Die Grünen verbinden mit dem jetzt vorgesehenen „weitergehenden Konzept“ die Erwartung, dass die Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Lingens nicht in Vergessenheit geraten. „Wir sehen darin ein wichtiges Element der Erinnerungsarbeit, die hier in Lingen seit Jahren betrieben und insbesondere durch das Forum Juden-Christen mit Leben erfüllt wird“, betont Ratsherr Michael Fuest. Auch der Grünen-Politiker setzt sich dafür ein, für jeden ehemaligen Mitbürger einen solchen Stein zu verlegen und ähnlich wie in Meppen durch eine Broschüre die Zusammenhänge aufzuklären.
Die FDP-Fraktion würde sich freuen, wenn Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen und Gruppen Patenschaften über Stolpersteine übernähmen. FDP-Ratsfrau Anna Matern-Bandt: „Die Aktion Stolpersteine steht exemplarisch für viele Formen des Gedenkens an Menschen und Gruppen, die unter schmerzlicher Nichtachtung ihrer Person und ihrer Geschichte unsägliches Leid bis zur Tötung erfahren mussten.“
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