FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 30.10.2009:

„Lebensgefährlich und nicht zu verantworten“ - Planungs- und Bauausschuss besichtigte Lingener Bahnsteig – Bahn: Wir ändern nichts

LT - Lokales
bm Lingen. „So wie der Mittelbahnsteig sich zurzeit baulich darstellt, ist er für alle Aus- und Einsteigenden lebensgefährlich. Alle, die für diesen Bau des Bahnsteigs verantwortlich zeichnen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn hier etwas passiert.“
Harsche Kritik übte am Mittwochabend nicht nur Robert Koop (fraktionslos) an dem sogenannten „Mittelbahnsteig“ der Deutschen Bahn AG in Lingen, sondern über die Fraktionen hinweg alle Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses.
Auf Antrag von Koop und der SPD hatte man sich zuvor am Bahnhof getroffen, um die Situation vor Ort in Augenschein zu nehmen. „Mann, ist das hier eng und voll“, entfuhr es gleich mehreren Ausschussmitgliedern, nachdem man den Mittelbahnsteig via Treppe erreicht hatte. Rund fünf Minuten vor dem Eintreffen des Zuges teilten sich rund 200 Schüler und erwachsene Fahrgäste den etwa 2,50 Meter breiten Bahnsteig, obwohl eigentlich dafür nur 1,25 Meter eingeplant sind. Die anderen 1,25 Meter zum Bahngleis hin dürften gar nicht in Anspruch genommen werden, weil sonst die Gefahr besteht, durch den Sog der mit etwa 80 km/h durchfahrenden Güterzüge erfasst zu werden.
Die blanke Angst im Gesicht hatten viele Fahrgäste, als kurz vor der Einfahrt des Nahverkehrszuges ein etwa zwölfjähriger Junge beim Spielen vom Bahnsteig auf die Schienen fiel. Noch bevor die heraneilenden Erwachsnen ihm helfen konnten, hatte sich der junge Bursche nach einer Schrecksekunde aber schon aus eigener Kraft wieder zurück auf den Bahnsteig hieven können.
„Wenn hier eine Mutter mit zwei Kindern an der Hand steht, dann ist das lebensgefährlich und nicht zu verantworten“, erboste sich Koop. 4000 Menschen stiegen hier Tag für Tag aus und ein: „Eine unhaltbare Situation.“ Den Kopf über „so viel Ignoranz und Gleichgültigkeit bei der Planung“ schüttelten auch die anderen Ausschussmitglieder.
In der sich an den Ortstermin anschließenden Sitzung im Rathaus wollte Koop zudem wissen, inwieweit die Verwaltung der Stadt an den Planungen der Bahn beteiligt gewesen sei. Stefan Heskamp (CDU) erklärte, dass man Koop in der Sache nur recht geben könne. Allerdings liege die Verantwortlichkeit nicht bei der Stadt, sondern ausschließlich bei der Bahn.
Auch Klaus Haberland, beratendes Mitglied, stufte die Sicherheit am Mittelbahnsteig als „höchst bedenklich“ ein. Aus vielen Verhandlungen mit der Bahn (Haberland ist Leitender Baudirektor bei der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Lingen) wisse er um ihre Sturheit, wenn es um Geld ginge. Haberland machte den Vorschlag, mit einer Krakplatte (Balkon) den Bahnsteig in Richtung Halle IV zu erweitern.
„Der Vorschlag von Klaus Haberland ist sehr gut“, meinte Hajo Wiedorn, SPD, der neben allen anderen auch deutliche Kritik an der „Sturheit der Bahn“ äußerte.
Als „völlig unzulänglich und nicht tragbar“ wertete Jens Beeck, FDP, die Situation am Bahnsteig. Er forderte Politik und Verwaltung auf, gemeinsam etwas dagegen zu unternehmen.
Stadtbaurat Georg Lisiecki betonte, dass man seitens der Stadt immer darauf gedrängt habe, den Mittelbahnsteig breiter zu bauen. „Wir haben ihnen gesagt, dass das, was sie hier planen, lebensgefährlich ist – und trotzdem haben sie ihn so gebaut.“
„An der Bahnsteigbreite wird definitiv nichts verändert, und wenn die Stadt Lingen den Bahnsteig breiter haben möchte, kann sie ihn ja bauen. Dann muss die Stadt aber auch die Folgekosten tragen. Außerdem ist der Bahnsteig überhaupt nicht zu schmal.“ Das erklärte gestern Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Bahn, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Breite des Bahnsteiges entspreche dem Standardmaß und sei durch die Aufsichtsbehörde auch abgenommen worden.

Kommentar der Lingener Tagespost:
Bahn muss Gefahrenquelle beseitigen
Von Burkhard Müller
Wer diesen Bahnsteig in Lingen geplant und gebaut hat, hat seinen Job nicht verstanden. Dass, was sich beim Ortstermin des Planungs- und Bauausschusses vor aller Augen abgespielt hat, war lebensgefährlich. Dass der junge Bursche nicht unmittelbar vor Einfahrt des Zuges auf den Gleiskörper gefallen ist, war reines Glück.
Die Planungen der DB sind nicht nur realitätsfern und weltfremd am anscheinend „grünen Tisch“ entstanden, sondern sie bergen eine große Gefahr für Leib und Leben in sich.
Wer schon einmal auf diesem Mittelbahnsteig- streifen stand – mehr ist es nämlich nicht – sich dabei den Wind eines mit rund 80 km/h durchfahrenden Güterzuges um die Nase wehen ließ, weiß, wovon die Rede ist.
Dabei wäre diese unhaltbare Situation so leicht zu entschärfen. Eine Art Balkon in Richtung Halle IV, gestützt auf wenige Punktfundamente, könnte die Situation mit relativ wenig Geld dauerhaft entschärfen. Dass dieser Vorschlag der Stadtverwaltung auf taube Ohren gestoßen ist, lässt den Gedanken zu, dass sich die Bahn einen Teufel um die Sicherheit ihre Kunden schert.
Wer es eben kann, sollte diesen Bahnsteig meiden – seiner Gesundheit zuliebe.
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