FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 25.06.2009:

Transrapidstrecke vorerst gesichert

NOZ Seite 1
5,4 Millionen Euro für weitere Tests auf Versuchsanlage
uwe Hannover. Die Stilllegung der Transrapid-Versuchsanlage Emsland (TVE) zum Ende des Monats ist abgewendet: Nach einem gestern vorgestellten Finanzierungskonzept können auf der Anlage in Lathen weitere zehn Monate lang Magnetschwebebahnen getestet werden.
uwe Hannover. Wirtschaftsminister Philipp Rösler sprach von einem „wichtigen Signal für den Technologiestandort Deutschland“. Das auf der TVE über einen Zeitraum von 20 Jahren aufgebaute einmalige Know-how sichere die Exportfähigkeit des Transrapid.
Nach Angaben des Ministers sollen nun neue Fahrwegträger in die TVE integriert und erprobt werden. Ziel sei ein kostengünstigerer Bau von Anwenderstrecken. „Damit soll neues Interesse potenzieller Investoren geweckt werden“, sagte Rösler in Hannover. Gegenüber unserer Zeitung machte er zudem deutlich, dass dies die letzte Chance für einen dauerhaften Weiterbetrieb der TVE sei: „Bis zum 30. April 2010 muss endgültig ein Transrapid-Käufer gefunden werden, sonst ist Schluss.“
Bislang standen für den Betrieb der TVE jährlich zwölf Millionen Euro zur Verfügung. In den nächsten zehn Monaten sind es für einen reduzierten Testbetrieb nach Mitteilung von Rösler 5,4 Millionen Euro: Der Bund zahlt 2,1 Millionen Euro, die Hersteller ThyssenKrupp und Siemens steuern 750 000 beziehungsweise 300 000 Euro bei, der Betreiber IABG ist mit 450 000 Euro und der Bauunternehmer Max Bögl mit 650 000 Euro dabei. Erstmalig beteiligen sich überdies das Land Niedersachsen und der Landkreis Emsland an den Kosten, und zwar mit jeweils 575 000 Euro.
Von einer „letzten Chance für den Transrapid“ sprach auch der emsländische Landrat Hermann Bröring, der sich ebenso wie Rösler stark für den Weiterbetrieb der TVE engagiert hatte. Nun müssten sich die Interessenbekundungen aus Brasilien, der Schweiz, den USA und China als belastbar erweisen, erklärte Bröring.
Der SPD-Wirtschaftsexperte Gerd Will forderte die Landesregierung auf, sich verstärkt um eine internationale Vermarktung der Schwebebahn zu bemühen. Ansonsten werde die Verlängerung der Testphase nur eine Galgenfrist sein.
Die Grünen im Landtag sprachen dagegen von einer Verschwendung von Steuergeldern. „Dieses überteuerte Prestigeobjekt wird doch nur noch künstlich beatmet“, sagte die Abgeordnete Ursula Helmhold. Sie bezeichnete die Technik des Transrapid als überaltert. „Die Idee stammt aus einer Zeit, als es den schnellen ICE noch gar nicht gab.“ Zudem seien die Kosten überhöht und schreckten immer wieder Interessenten ab.
Laut Bröring gibt es auf der Versuchsanlage aktuell „etwa 50 hoch qualifizierte Arbeitsplätze“. Seit Anfang Juli sind wieder Testfahrten erlaubt, nachdem diese wegen des Transrapid-Unglücks im September 2006 unterbrochen worden waren.


Kommentar auf derselben Seite:

Gnadenfrist
Von Uwe Westdörp
Seit mehr als 20 Jahren dreht er im Emsland seine Schleifen und kommt doch nicht von der Stelle: der Transrapid. Nur ein einziges Mal ist die Schwebebahn bisher verkauft worden. Das mag man bedauern, ignorieren darf man es nicht.
Denn irgendwann muss Schluss sein mit Subventionen aus dem Steuertopf. Das gilt umso mehr, als die tiefste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise große Löcher in die staatlichen Kassen reißt.
Das Konzept zur Sicherung des Testbetriebs wird deshalb zu Recht mit der klaren Ansage verbunden: Wenn sich jetzt kein Käufer findet, ist dies das Aus. Entweder es gibt endlich einen ernsthaften Interessenten – oder alle Beteiligten gestehen ihr Scheitern ein.
Realistisch betrachtet, stehen die Chancen für die Schwebebahn schlecht. Denn ihr größter Vorzug, die Schnelligkeit, zieht nicht mehr, seit herkömmliche Züge auf Gleisen ebenfalls Hochgeschwindigkeit fahren. Zudem ist es zwar löblich, aber möglicherweise zu spät, die Kosten für Transrapid-Strecken durch neue Fahrwegträger senken zu wollen.
Dennoch: Eine Gnadenfrist hat das Projekt verdient. Schon allein deshalb, weil sonst wieder zu hören ist, Deutschland versage bei der Vermarktung seines Know-hows, das andere dann zu Gold machten.
u.westdoerp@neue-oz.de
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