FDP Emsland-Süd

Pressemitteilungen vom 14.05.2009:

Emslandarena an der B 214 in Laxten?

Von Thomas Pertz; LT -Lokales
Lingen. Die Lingener Stadtverwaltung wird der Politik vorschlagen, die neue Emslandarena an der Frerener Straße (B214) gegenüber der Hedon-Klinik zu bauen. Dies kündigten Oberbürgermeister Heiner Pott und Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring in einem Interview mit unserer Zeitung an. Der aktuelle Standort der Emslandhallen an der Lindenstraße scheidet vor allem aus lärmtechnischen Gründen für einen Aus- bzw. Anbau zur Emslandarena aus. Das Interview im Wortlaut:

Herr Pott, Herr Büring, zu welchen Ergebnissen kommt das Lärmschutzgutachten am derzeitigen Standort der Emslandhallen?
Pott: Eines vorweg: Ausgangspunkt unserer Überlegungen war es, den jetzigen Standort der Emslandhallen attraktiver zu machen, da er insbesondere im Bereich Konzertveranstaltungen nicht mehr den modernen Erfordernissen entspricht. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass Udo Jürgens im Oktober sein Konzert nicht in Lingen, sondern im Euregium in Nordhorn gibt. Außerdem war uns wichtig, sportliche Großveranstaltungen und auch künftig Fernsehsendungen in einer solchen neuen Arena anbieten zu können. Im Zuge dieser Vorüberlegungen in den letzten Wochen und Monaten haben wir allerdings festgestellt, dass nicht die Frage der Größe der Halle, ihre Abschirmung zur Wohnbebauung bzw. lärmdämmende Baumaßnahmen im Mittelpunkt stehen, sondern der bereits schon heute im Bereich der Emslandhallen bei Veranstaltungen entstehende Pkw-Verkehr.

Was heißt das konkret?
Pott: Das Problem sind die Abendveranstaltungen, die nach 22 Uhr enden. Tagsüber gelten bei der Einhaltung des Lärmschutzes andere Grenzwerte. Die Lingener Ingenieursgesellschaft Zech, die für uns die lärmtechnischen Untersuchungen durchgeführt hat, stellte fest, dass bei Abendveranstaltungen in keinem Fall der zulässige Grenzwert eingehalten werden kann. Auch beim Max-Raabe-Konzert, das ja nun wirklich nicht für laute Musik steht, wurde der Grenzwert überschritten. Das Problem ist nicht so sehr der Lärm, der aus der Halle dringt, sondern jener, der durch wegfahrende Autos nach 22 Uhr produziert wird. Problematisch sind auch sogenannte „Sozialgeräusche“ wie lautes Singen etc.

Hätte die Stadt dies nicht alles vorab prüfen müssen, bevor man mit der Idee „Emslandarena“ an der Lindenstraße an die Öffentlichkeit ging?
Pott: Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Die Emslandhallen sind 1991 ursprünglich als Markt- und Messehallen gebaut worden. Sie haben sich erst im Laufe der Zeit für Konzert- und Abendveranstaltungen etabliert. Das Thema Verkehrslärm in den Abendstunden hat deshalb in der Vergangenheit keine so große Rolle gespielt. Wir stellen nun fest, dass die bereits jetzt vorhandenen Probleme mit dem Lärm noch erhöht würden, wenn im Zuge der Emslandarena das Parkplatzangebot auf dem Festplatz deutlich vergrößert werden müsste.

Das bedeutet also, dass die Emslandhallen als Ort für Abendveranstaltungen keine Zukunft mehr haben.
Büring: Genau. Deshalb können wir aber jetzt nicht einfach sagen: Dann lassen wir doch das Ganze, wenn die Arena am Standort Lindenstraße nicht zu realisieren ist. Lingen würde damit als Konzertveranstalter in den Hallen keine Rolle mehr spielen. Das kann sich eine Stadt mit oberzentralen Ansprüchen nicht erlauben. Aus den Reihen der Wirtschaft hören wir immer wieder, dass Veranstaltungsangebote, wie sie eine Emslandarena ermöglichen könnte, zu den sogenannten „weichen“ Standortfaktoren gehören. Sie spielen bei der Entscheidung von Fach- und Führungskräften, den Wohnort zu wechseln, durchaus eine Rolle.Wenn der Bereich der Emslandhallen also als Standort für eine neue Arena ausfällt, wo soll diese dann hinkommen? Hinter den Kulissen wurden der Ochsenbruch, eine Fläche an der B70 bei Estringen, an der Schüttorfer Straße und entlang der Frerener Straße gegenüber der Hedon Klinik genannt.
Pott: Diese vier Bereiche sind in der Tat näher untersucht worden. Die Bereiche Ochsenbruch und Estringen schieden aus, weil dort ansässige Betriebe bereits über „Lärmkontingente“ verfügen, eine weitere Ansiedlung wie die Emslandarena dort deshalb nicht zu realisieren wäre. Das gilt auch für das Gelände des alljährlichen Abifestivals an der Schüttorfer Straße. Dort grenzt unmittelbar der Industriepark mit seinen Betrieben an, die in ihren weiteren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt würden.

Somit bleibt nur noch der Standort gegenüber der Hedon Klinik.
Pott: So ist es. Die betroffenen Grundstücke befinden sich in städtischem Besitz. Wir können in lärmtechnischer Hinsicht dort alle Werte einhalten, sowohl gegenüber der Wohnbebauung als auch gegenüber der Klinik. Die Halle und eine Parkpalette sollen entlang der Straße errichtet werden. Dahinter würden weitere Parkplätze liegen. Die Zufahrt soll nicht über die Brookstraße erfolgen, sondern weiter vorher. Die umliegende Wohnbebauung soll durch einen die Parkplätze umschließenden Wall geschützt werden. Was die Anfahrt für die auswärtigen Besucher anbelangt, ist der Standort an der B 214 ideal.

Was sagt denn die Leitung der Hedon Klinik zu diesen Plänen?
Büring: Wir haben mit der Klinikleitung gesprochen. Sie hat die Pläne begrüßt, weil sie sich auch einen Vorteil für die Patienten bzw. für deren Angehörige verspricht.

Von einer Anbindung der Emslandarena an die Innenstadt, wie es bei den Emslandhallen jetzt der Fall ist, kann man dann aber nicht mehr sprechen.
Büring : Das ist richtig. Wir reden hier aber ausschließlich über Abendveranstaltungen. Ein Besucher eines Konzertes fährt nach 22 oder 23 Uhr in der Regel nach Hause und nicht mehr in die Innenstadt. Und was die Tagesveranstaltungen in den Emslandhallen anbelangt: Die wollen wir ja weiter aufrechterhalten, wo es geht sogar ausbauen. Sie machen immerhin circa zwei Drittel der Einnahmen aus.

Zwei Hallen an zwei Standorten – ist das nicht mit hohen finanziellen Risiken verbunden?
Pott: Wenn wir jetzt nicht handeln, bricht uns der Konzertbereich ersatzlos auf jeden Fall weg, weil der aktuelle Zustand auf Dauer nicht haltbar ist. Diesen Verlust gleichen wir durch die neue Arena an der B 214 aus. Sie soll Ende 2011 fertig sein. Zwei Standorte bieten auch neue Chancen. Die Emslandhallen haben sich als Markt- und Messehallen bestens bewährt und könnten sich künftig noch stärker auf solche Veranstaltungen konzentrieren.

Land und Landkreis haben jeweils fünf Millionen Euro für die Emslandarena zugesagt. Die Grünen in Lingen haben in einer Ratssitzung kritisch angemerkt, „dass wir am Ende bei 30 Millionen Euro landen“, so MichaelFuest. Wirder recht behalten?
Pott: Wir wollen den Rahmen von rund 25 Millionen Euro Baukosten einhalten. An diesem Ziel werden wir auch, wenn notwendig, die Kapazität der Halle ausrichten. Der Gutachter hat uns eine Sitzplatzkapazität von 3500 empfohlen und nur dann 5000, wenn wir ein sogenanntes Hometeam hätten. Das haben wir zurzeit nicht.

Sie spielen damit auf die HSG Nordhorn-Lingen an, die aus der Ersten Bundesliga absteigen muss. Halten Sie am Ziel, Handballspitzensport in Lingen anzubieten, weiterhin fest?
Pott : Ja, an diesem Ziel halten wir weiter fest. Wir werden uns gemeinsam mit der Wirtschaft auch künftig engagieren, damit die HSG Nordhorn-Lingen wieder oben mitmischt – und in Lingen spielt.
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